In den Coronazeiten wurde letztens in Essen darum gebeten, dass man bitte mit dem Entsorgen von Altkleidern und Lumpen etwas warten soll, weil die Entsorger nicht mehr hinterher kommen. Mmmh, da sind wohl viele in der Kontaktsperre auf die gleiche Idee gekommen. Ich auch!
Ich stand vor meinem Kleiderschrank und er brüllte mir quasi entgegen: „Sieh her – hier findest du, was gestern mal war und heute nicht mehr ist!“
So fand ich wirklich eine sehr alte Lieblingsbluse, die schon lange nicht mehr passt. Aber sie hat auch bei diesem Ausmisten „überlebt“. Auch wenn ich das letzte Mal erst vor einem Jahr ausgemistet habe, fand ich Einzelteile, die ich so unmodern finde, dass ich sie nicht mehr anziehen wollen würde. Also weg damit.
Für mich war es aber schon spannend zu erleben, dass der Kleiderschrank ein Zeitzeuge ist, der mir die schnelllebige Mode vor Augen hält, die definitiv nicht nachhaltig ist und aber auch mahnender Ankläger ist, wenn eine Klamotte mal wieder nicht passt.
Ich habe schon als Kind schlechte Laune bekommen, wenn meine Mutter mich durch Kaufhäuser trieb und ich immer wieder Dinge anprobieren musste, die nicht passten. An drei negative Highlights kann ich mich sogar noch erinnern, denn sie fanden Einzug in meinen Besitz:

  1. Eine braune Cordhose, die ich von Anfang an gehasst habe.
  2. Ein gelbes T-Shirt – ich sehe in Gelb einfach immer krank aus.
  3. Blaue Schuhe in einer Nr. zu groß – „da wächst du bestimmt bald rein“ – nein, bin ich nicht.

„Warum sorgt ihr euch um eure Kleidung?“, steht schon in der Bibel geschrieben. Denn wenn Gott doch schon die Lilie auf dem Feld so schön aussehen lässt, wie kein König gekleidet sein kann, wieso machen wir uns Sorgen um unsere Kleidung? Zumal die Lilie ja einfach nur auf dem Feld wächst und nicht arbeitet, wie viel mehr können wir dann erhoffen. (Mat 6, 28ff)

Deshalb habe ich mich entschieden, dass alles gehen muss, was mir kein gutes Gefühl gibt. Der blaue Sack ist gut gefüllt und steht hier noch. Aber sobald die Altkleidercontainer wieder leer sind, wird dieser Sack meine Wohnung verlassen.
Und solltest du jetzt glauben, dass mein Kleiderschrank nun übersichtlich und leer ist – weit gefehlt.

 

Liebender Gott,
oftmals habe ich in meinem Leben so viel mehr
als ich wirklich zum Leben brauche.
Hilf mir ein gutes Maß zu finden –
für mich und für meine Umwelt,
und vielleicht mal eher auf den ideologischen Wert zu achten,
als auf den Konsum und das schnelle Glücksgefühl.
Und für die,
die nicht so viel haben,
bitte ich, schenke ihnen alles,
was sie zum glücklichen Überleben brauchen.
Amen.

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