Letzte Woche war ich, seit Ewigkeiten, mal wieder im Kino. Es war eine spontane Entscheidung: das Wetter war mies, meine Aufgaben soweit abgearbeitet und die Kinos gerade wieder geöffnet. Warum also nicht, dachte ich.

Bevor es losging, wurde ich etwas nervös. Ich freute mich auf den Film, war aber gleichzeitig etwas nervös. Ich wusste nicht genau, wie die aktuellen Regelungen waren, wie voll es sein würde und ob ich mich nicht unwohl fühlen würde. Diese Gedanken und Gefühle begleiteten mich bis in den Saal, aber ich hatte Glück: Bis auf ein Pärchen am anderen Ende des Saals war niemand dort. Also setzte ich mich hin und richtete mich mit Popcorn und Getränk in meinem Sessel ein. Kurz bevor es dunkel wurde, fiel mir plötzlich ein, dass ich mein Handy noch ausschalten musste – so lang war es her. Dann ging das Licht aus, der Ton schwoll an und das Bild erschien auf der Leinwand. Ich tauchte ein in den Film und vergas so langsam alles andere…

Als ich aus dem Kino kam, war mein Kopf frei, die Gedanken gelöst und ich gut gelaunt. Zwei Stunden lang musste ich an nichts denken, keine Nachrichten beantworten, mal eben aufstehen und doch das Rollo heruntermachen, pausieren, Lautstärke ändern oder irgendwas – ich konnte einfach genießen.

Erst da wurde mir wieder klar, wie wenig Zeit ich mir in den letzten Monaten für solche Dinge genommen habe. Musik oder Videos liefen beim Arbeiten, dank des Handys auch auf der Toilette oder beim Kochen, während des Serien- oder Filmeschauens googlete ich noch mal schnell etwas oder beantwortete eine Nachricht und selbst beim Spazierengehen oder Sport machen passierte noch irgendetwas nebenbei. Mich auf eine Sache zu konzentrieren, sich mal Zeit zu nehmen, sich komplett auf etwas einzulassen und nichts nebenbei zu erledigen – das gab es nicht wirklich.

Dabei tut das Ganze so gut. Der Film, den ich gesehen hatte, war auch kein Meisterwerk gewesen, aber es war bewusst genutzte Zeit, die mir Kraft gab. Und ganz ehrlich, googlen konnte ich danach immer noch…

All das bringt eine Lektion mit sich, die eigentlich selbstverständlich ist, aber vielleicht in der aktuellen Zeit helfen kann. Ich muss lernen, mir Zeit zu nehmen für solche Dinge. Das kann helfen, dass sich Tage nicht gleich anfühlen und die Zeit nicht einfach verstreicht, ohne dass etwas passiert. Dass ich Vorfreude entwickeln kann und Motivation, mein Tagesprogramm zu schaffen, weil ich dann die neue Folge meiner Lieblingsserie sehen oder etwas Leckeres essen kann.

Es ist eine oft zitierte Bibelstelle, aber sie passt auch in diesem Fall mal wieder:
“Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde” (Prediger 3)
Und deshalb werde ich jetzt erst mal in Ruhe mein Lieblingsessen zubereiten…

Guter Gott,
ich kann viele Dinge gleichzeitig machen.

Das ist in einigen Situationen sehr hilfreich,
nimmt besonderen Dingen aber oft auch ihren Wert.
Hilf mir, mich daran zu erinnern,
mir die Zeit für schöne Dinge zu nehmen
und mich mit Vorfreude zu erfüllen.
Amen.

Eigentlich sollte man meinen, dass ich mich mittlerweile langweilen müsste nach knapp einem Jahr überwiegend im Home Office. Dadurch, dass die täglichen Arbeitswege von insgesamt zwei Stunden, die An- und Abfahrten zu Treffen mit Freunden und Familie, den Ehrenamtstreffen und auch den Hobbies größtenteils durch digitale Verabredungen weggefallen sind, müsste ich doch eigentlich so viel mehr in meiner Freizeit schaffen. So viel mehr Baustellen zuhause abhaken können. Eigentlich dürfte es doch keinerlei Sachen in der Wohnung und in anderen Bereichen mehr geben, die noch nicht begonnen oder vielleicht sogar abgeschlossen wurden .

Irgendwie ist dem überhaupt nicht so. Im Gegenteil, wenn ich mich so umsehe, sind die Baustellen in der Zeit eher mehr geworden als weniger. Ich hab ja so viel Zeit und dann doch wieder nicht.
Kennst du das auch? Lasse ich mir für alles einfach mehr Zeit? Oder gehen einfach auch mal unbemerkt ein, zwei Stunden für Sachen drauf, die ich gerne mache und schiebe dafür das ungeliebte vor mir her, sodass es sich wie ein Berg aufhäuft. Ich hab ja noch so viel Zeit!

Es stört derzeit ja auch niemanden, dass Kartons im Wohnzimmer stehen, mit Kram, der noch bei meinen Eltern lagerte und mal aussortiert werde sollte. Es stört ja niemanden, dass die Geschenke für all die Babys im letzten halben Jahr halb angefangen in der Ecke liegen und nicht fertig werden. Es stört niemanden, dass ich die Fotos, die ich schon lange in ein Fotoalbum zusammenfügen wollte, immer noch nicht bearbeitet und ausgedruckt habe. Es stört ja niemanden, dass der Wäscheberg manchmal eine Woche (oder mehr) ungefaltet als Kleiderschrankersatz dient oder der Boden ein oder zwei Tage zu lang von Staub bedeckt bleibt. Es stört niemanden –  keinen Besuch und manchmal nicht einmal mich.

Und manchmal stört es mich aber doch. So sehr, dass ich mich frage, wie ich all das schaffen soll, was eigentlich zu erledigen ist. So sehr, dass ich gar nicht erst anfange, weil ich nicht weiß womit. Wo ist all die Zeit hin, in der ich, trotz zwei Stunden Arbeitsweg, trotz ganzer Abende beim Ehrenamt, trotz Chor und trotz gemeinsam verbrachter Zeit mit meiner Familie und Freunden, all diese liegen gebliebenen Dinge schaffe?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins. Manchmal gibt es die Momente, in denen ich die Motivation habe, all die kleinen Projekte anzugehen. Diese Momente wollen genutzt werden. Wenn ich das tue, dann läuft manches wie von selbst und ich merke, dass ich die 10 Minuten, die es zum Flur fegen braucht, auch jederzeit unterbringen könnte. Am Wochenende hatte ich mal wieder so einen Moment und dabei gemerkt, wie viel ich schaffe, wenn ich mir alles in kleine Häppchen aufteile und nicht den großen Berg an Aufgaben vor mir sehe. Indem ich Schritt für Schritt zum Ziel komme, schiebe ich es nicht so lang vor mir her. Bei der Arbeit und in Zeiten, in denen ich nicht so viel Freiraum habe, meine Zeit so locker einzuteilen, fällt mir genau das so viel leichter. Meine Zeit als rares Gut effizient zu nutzen, macht mich zufrieden. Vielleicht habe ich das nur vergessen in einer anderen Normalität, die eigentlich nur als Provisorium gedacht war. Vielleicht schaffe ich aber, mir das häufiger wieder vor Augen zu führen, mich daran zu erinnern, dass es mir gut tut, Punkte von der To Do-Liste abhaken zu können, auch wenn ich doch scheinbar noch so viel Zeit dafür habe.

Ich sollte einfach anfangen, den Schritt wagen!

Auch Gott hat einfach angefangen. Er hat die Erde nicht an einem Tag erschaffen, sondern Schritt für Schritt. Er schuf Himmel und Erde, das Licht, den Himmel, Land und Meer, Bäume und Pflanzen, Nacht und Tag und die Gestirne, die Tiere im Wasser, in der Luft und auf dem Boden und schließlich die Menschen – und bei jedem kleinen Schritt „sah [er], dass es gut war“ (Gen 1,1 -2,3)

 

Gott,

lass mich nicht unzufrieden sein, wenn ich mal einen Tag etwas vor mir herschiebe.
Schenke mir die Motivation, auch vor großen unüberschaubaren Aufgaben nicht zurückzuschrecken, um es dir gleichtun zu können.
Tag für Tag, Schritt für Schritt weiterzumachen und so zum Ziel zu gelangen.

Amen

Viele meiner Überzeugungen habe ich schon lange.
Blau ist schon ewig meine Lieblingsfarbe, genauso habe ich eine Lieblingsautomarke und weiß in etwa, was ich bei der Bundestagswahl wähle.
Ich wusste auch immer, was ich nicht will. Zum Beispiel den Satz sagen „so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ oder „das ist jetzt so, weil ich es sage.“ oder „Indianer kennen keinen Schmerz.“
Einiges ist sicherlich durch meine Eltern geprägt.

Aber manchmal muss man auch neue Überzeugungen entwickeln, weil die Überzeugungen der Eltern (mich) nicht tragen, weil meine Eltern etwas gar nicht erlebt haben (Digitalität) oder es gar niemand erlebt hat (z.B. die Corona-Pandemie).

Jetzt könnte man ja denken, dass es mit der Pandemie doch endlich dem Ende zugeht, die Lockerungen mehr und mehr werden, wir der „Normalität“ wieder entgegen gehen und somit alle Probleme doch verschwinden.

Pustekuchen!

Ständig gibt es Diskussionen:
Wieso bist du noch nicht geimpft?
Wieso lässt du dich denn nicht mit dem Impfstoff impfen?
Wieso ziehst du noch eine Maske auf?
Wieso gehst du noch nicht Shoppen in der Innenstadt?
Wieso gehst du nicht mit ins Restaurant?

Und plötzlich kommen meine Diskussionspartner*innen aus dem Familien- oder Freundeskreis und es entzünden sich heftige Gespräche, wo man sich doch sonst in vielem einig war.

Manchmal mag ich nicht mehr und möchte einfach nur sagen, lasst mich doch mit dem Kram in Ruhe. Manchmal zweifle ich an der Meinung, die ich mir gerade mühsam erarbeitet habe und dann will ich Zeiten zurück haben, in denen ich mich auskannte.

Oder vielleicht brauche ich auch hier ein Pfingsten. Ein Toben und Tosen, dass die Dinge aufwirbelt, neu zusammensetzt und Feuerzungen, die ein tolerantes Einander-Verstehen und Verstehenwollen mit sich bringen. (Apostelgeschichte 2, 1-13).
Vielleicht braucht es aber auch etwas mehr Vertrauen meinerseits in das Wirken des Heiligen Geistes.

Herr,
auch wenn die Zeiten gerade eigentlich leichter werden,
so ist einiges doch noch nicht wieder in der Reihe.
Schenke uns den Blick für den anderen,
lass uns tolerant miteinander umgehen.
Lass uns Vertrauen auch mal im Vorraus verschenken
und lass uns selbst auch vertrauensvolles Verstehen erfahren.
Amen.

 


Foto von mododeolhar von Pexels

In letzter Zeit gab es viele Momente, in denen ich mich sehr aufgeregt habe.
Für mich waren es sehr unterschiedliche Momente in völlig unterschiedlichen Lebenszusammenhängen.
Mal ärgerte ich mich auf der Arbeit, mal über einen Freund, mal über Menschen beim Einkaufen, mal über Politiker*innen.

Und dann gab es da einen Moment, in dem ich den Zusammenhang zwischen all dem Ärger erkannte. Richard David Precht (Philosoph) war in einer Talkshow und erzählte dort, dass er in unserer Gesellschaft den Verlust des Sinns des Gemeinwohls erkennt. Alle wollen Rechte haben und fordern sie ein, aber nicht viele sehen ihre Pflichten. Wir werden alle zu Konsument*innen und fordern nur noch – egal in welchem Bereich.

Mir fiel ein, dass ich vor einigen Jahren auf Ameland war und mir eine Einheimische erzählte, dass sie Nothelferin auf der Insel sei und sie einen Einsatzplan habe, wann sie dran ist, wenn etwas auf der Insel passiert. Als ich meine Bewunderung ausdrückte, guckte sie mich erstaunt an und sagte, dass alle Einheimischen bis auf Kinder und Alte einen solchen Dienst haben, da das gemeinsame Leben auf der Insel sonst nicht funktioniert – mal abgesehen von dem gemeinsamen Spaß bei Übungen und Festen.
Sie fragte, ob es das bei uns denn nicht gäbe.

Nach kurzer Überlegung fiel mir die freiwillige Feuerwehr ein, die von Bedeutung ist, weil die nächste Berufsfeuerwehr zu weit weg ist. Aber selbst die haben Nachwuchsschwierigkeiten.

Mir begegnen immer mehr Menschen, die mich bei ehrenamtlichen Tätigkeiten fragen, warum soll ich das machen, was bringt mir das?

Kann eine Gesellschaft nur aus Egoist*innen existieren? Reicht es, wenn es mir und meinen Liebsten gut geht? Wird die Schere zwischen Reich und Arm dann nicht noch weiter auseinander gehen? Wird der Neid nicht noch größer und dadurch eventuell auch die Kriminalität? Wird es noch Menschen geben, die freiwillig für die Polizei, im Pflegedienst oder im Sanitätsdienst arbeiten für wenig Geld und unter heftigen Anfeindungen?

Ich brauchte diese Erkenntnis, um mich nicht mehr in meinen Ärger rein zu steigern. Und bestenfalls folgt nach einer Erkenntnis auch eine Verhaltensänderung.

Gerade wir Christ*innen sollten uns doch wohl für die Armen und Schwachen einsetzten. Was ist aus den Worten geworden „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“? Jesus wurde von einem Gelehrten gefragt: „Wer ist denn der Nächste?“ Und Jesus erzählte ihm von einem Mann, der überfallen wurde und verletzt liegen gelassen worden ist. Ein Priester sah ihn und ging vorüber, ebenso ein weiterer Mann. Dann kam der barmherzige Samariter, versorgte ihn, brachte ihn in eine Herberge und bezahlte diese für ihn. Wer wurde dem überfallene Mann wohl zum Nächsten? (Lk, 10, 25-37).

Herr,
ich bin dankbar dafür,
dass ich in Deutschland lebe und viele Rechte habe.
Lass mich darüber aber nicht meine Verantwortung für die Gemeinschaft vergessen.
Hilf uns zu erkennen,
dass wir nicht auf die Kosten von anderen leben können.
Lass uns für uns,
unsere Liebsten
und den Nächsten ein Segen sein.
Amen.

Aktuell bin ich ziemlich beschäftigt damit, eine Überraschung für einen lieben Menschen zu planen. Dabei geht es um eine ziemlich große Sache – die hier natürlich nicht verraten wird, damit ich diese Überraschung nicht vorwegnehme, falls dieser Mensch da hier zufällig ließt.

Für diese Sache gibt es eine Menge zu planen, zu überlegen und leider manchmal auch ein bisschen zu lügen, damit es tatsächlich eine Überraschung bleibt. Ich weiß, lügen soll man nicht, aber in diesem Fall muss etwas verheimlichen sein. Das heißt natürlich, dass das Ganze mit ziemlich viel Arbeit verbunden ist.
Würde ich das Ganze für mich machen, hätte ich wahrscheinlich schon längst aufgehört. So viel Aufwand würde ich ja nicht betreiben, wenn es nur um mich geht. Für andere hingegen bin ich gerne bereit, Nachtschichten einzulegen, Geld auszugeben und mir viele Gedanken zu machen.

Schon komisch, oder?

Aber es gibt da diesen einen Moment, der mich die ganze Arbeit vergessen lässt und mir zeigt, warum ich mir das alles immer wieder antue: Der Moment, in dem die Überraschung stattfindet, die beschenkte Person nichtsahnend um die Ecke kommt, die Augen öffnet oder das Ergebnis zum ersten Mal sieht. Dieser Blick, der diese unerwartete Freude einfängt und die leicht glückliche Überforderung der Person ausdrückt.
In dem Moment fällt alles ab und ich kann mich wie ein kleines Kind darüber freuen.

Auch die Bibel steckt voller Überraschungen. Eine davon findet man in der Apostelgeschichte 12:
Petrus wird von König Herodes ins Gefängnis geworfen, angekettet und dauerhaft von vier Wachen beobachtet. In der Nacht, bevor er vorgeführt werden soll, tritt plötzlich ein Engel in die Zelle, stößt ihn an und spricht zu ihm. Und auf einmal fallen seine Ketten ab und er kann aus dem Gefängnis fliehen.
Was für eine unerwartete Überraschung!

Auch wenn wir nicht im Gefängnis stecken, fühlen wir uns momentan auch manchmal gefangen. Viele Freiheiten fehlen uns und wir sind in unserem Leben eingeschränkt. Trotzdem dürfen wir den Kopf nicht hängen lassen und weiter auf das Gute hoffen.
Und vielleicht wartet die nächste Überraschung auch schon auf uns…

 

Guter Gott,
wir danken dir für all die kleinen
und großen Überraschungen im Leben. 
Wenn uns das Leben manchmal zu dunkel wird,
erhellt eine Überraschung unseren Alltag.
Hilf uns, auch andere immer wieder zu überraschen
und ihnen eine Freude zu machen.
Amen.

Als ich schon der dritten Person von der Doku „Leben ohne Erinnerung“ erzählte, merkte ich erst, wie sehr mich diese Doku beeindruckt hat.
Es ging um Daniel, der durch einen Unfall einen Gehirnschaden erlitten hatte und nicht mehr in der Lage ist, Dinge in seinem Langzeitgedächtnis zu speichern. Er erkennt nur noch Personen, die er vor dem Unfall kannte oder Personen, die er ständig um sich hat.
Seine Frau lernte er nach dem Unfall kennen und wurde dann auch Vater. Schon da beeindruckte mich die Frau sehr. Zumal sie sehr ergriffen erzählte, wie schwierig es ist, dass es mit ihrem Mann kein „weißt du noch…“ gibt.
Völlig geschockt hat mich dann der geschriebene Satz im Abspann erwischt:
„Kurz nach Fertigstellung des Films haben sich Katharina und Daniel getrennt.“

Erst durch die Doku ist mir bewusst geworden, wie oft gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen eine Beziehung zwischen Menschen festigt. Wie sehr gemeinsam durchschrittene Krisen das Vertrauen stärken und wie oft man sich  in einem ganz normalen Gespräch auf „weißt du noch…“ bezieht, manchmal sogar ohne Worte darum zu machen – weil man eben weiß, wie man sich immer begrüßt o.ä.

Letztendlich besteht unser Glaube eben genau daraus (besonders das neue Testament). Wir leben seit Jahrhunderten aus dem „weißt du noch…“, beziehen uns auf die Bibel und auf Rituale. Wir stellen fest, dass einige Menschen unsere Rituale und Symbole gar nicht mehr verstehen und sind manchmal selbst nicht in der Lage, die Dinge mit unseren eigenen Worten zu erklären bzw. wissen selbst gar nicht mehr um die Bedeutung. Wie soll dann daraus eine gute Gemeinschaft entstehen, wenn diese doch durch gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen entsteht?
Manch eine*r von uns weiß, wie lange die Erlebnisse aus Ferienfreizeiten einen tragen oder wie lange die gemeinsame Jugendarbeit auch noch über die Zeit hinaus verbindet.

Kennst du bei deinen Lieblingsmenschen die entscheidenden Momente des „weißt du noch…“, die euch bis heute tragen?
Haben sich die Momente damals schon als entscheidend zu erkennen gegeben oder kann man das erst aus der Rückschau erkennen?
Hast du schon mal bewusst in „weißt du noch…“-Momente investiert, in der Hoffnung, dass diese euch lange tragen?

Herr,
ich danke dir für meine Erinnerungen,
die mich mit meinen Lieblingsmenschen verbinden.
Schenke Menschen mit wenig guten Erinnerungen neue bedeutende Momente,
die für sie irgendwann ein Grund sich gerne zu erinnern.
Hilf all denen Menschen,
die keine Erinnerungen haben,
dass sie einen Weg für sich und ihre Lieblingsmenschen finden.
Amen.

Manchmal ist einfach die Luft raus. Immer der gleiche Trott, immer der gleiche Alltag, immer die gleiche Frisur. Gerade jetzt in dieser Zeit kommt es mir so vor, als ob jeder Tag sich gleich anfühlt, keine wirkliche Abwechslung bringt. Das ein oder andere Mal ist mir schon der Gedanke gekommen, ob man nicht irgendwas verändern könnte, irgendetwas verrücktes, woanders nochmal neu anfangen oder sich vielleicht tatsächlich noch einmal selbst neu erfinden….

Sich neu erfinden, sich selbst ein neues Leben schenken…das muss ja gar nicht so radikal sein, wie Peter Fox es besingt vor allem nicht, indem man zerstört. Aber hattet ihr auch schon mal Momente, in denen ihr einfach nur ausbrechen wolltet? Alles neu machen wolltet? Oder auch nur eine Kleinigkeit ändern wolltet?

Nach der Schule wollte ich aber raus. Irgendwie mir selber zeigen, dass ich in neuem Umfeld viel selbstbewusster sein kann, viel freier sein kann. Hat auch geklappt. Manchmal helfen mir dann aber auch wieder kleine Veränderungen, um mich selber wieder wie neu zu fühlen…beispielsweise eine neue Frisur, gerade spiele ich wieder mit dem Gedanken zum kurzen Bob zurückzukehren, oder das Ausprobieren eines neuen Hobbies. Das fühlt sich für mich auch schonmal wie ein Neuanfang an, da ich meinen Horizont erweitere.

Im Buch der Weisheit steht im Zusammenhang mit der Rettung der Israeliten aus Ägypten sogar geschrieben, dass „die ganze Schöpfung in ihrer Eigenart wieder neu gestaltet [wurde], um deinen Geboten zu dienen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.“ (Weisheit 19,6)

Für mich reichen aber auch ganz kleine Dinge, die neu gestaltet werden, um mich wie neu zu fühlen. So große Veränderungen, wie die Neugestaltung der Schöpfung bedarf es da gar nicht.

Umgestalten, statt zerstören, umnutzen, statt wegwerfen, Dingen ein neues Leben geben. Upcycling, das einem aktuell ja das ein oder andere Mal über den Weg läuft, macht ja genau das. Durch das Umgestalten schon genutzter Gegenstände, lässt sich die Schöpfung eher bewahren. Etwas, was man sonst wegwerfen würde, wird sogar noch aufgewertet. Quasi aus alt mach neu. Mit ein bisschen Kreativität kann man dabei einem langweiligen, vielleicht ausgedienten Gegenstand oder auch Einmalgegenständen sogar ein neues Leben schenken. Ein neues Leben an dem man selber viel Freude haben kann. Mit viel Fantasie lässt sich dabei so einiges bewerkstelligen und aus ganz normalen Alltagsgegenständen, lässt sich etwas neues zaubern.

 

Gott,
wir danken dir für deine Schöpfung,
wir danken dir, dass du uns unser Leben geschenkt hast.
Auch wenn uns der Alltag manchmal grau erscheinen mag und wir am liebsten ausbrechen würden, lass uns immer daran denken, dass manchmal eine kleine Änderung bereits eine große Wirkung haben kann und uns zu einem neuen Menschen machen kann.
Gib uns Inspiration und Kreativität und lass uns sehen, was wir vorher gar nicht wahrgenommen haben, um mit einer kleinen Änderung auch dem Alltag neues Leben einzuhauchen.
Amen

 

Habt ihr schon einmal etwas verwandelt, upgecycled? Hier sind ein paar Ideen dazu:

https://padlet.com/annikajorde/rwlkpou2z71jizbe

Es gibt viele Dinge, die ich nicht verstehe:
Russisch, Schlagermusik, Butter unter Nutella – und Ausgrenzung.

Ich bin christlich aufgewachsen und dementsprechend christlich sozialisiert. Deshalb sind mir natürlich auch christliche Werte sehr wichtig – vor allem Nächstenliebe und Akzeptanz.

Und ehrlich gesagt habe ich dann ganz schön damit zu kämpfen, wenn ich diese Werte innerhalb der Kirche, aus der sie kommen, verletzt sehe.
Als der Vatikan vor kurzem verkündete, dass die Segnung von homosexuellen Paaren, entgegen der allgemeinen Praxis, nicht möglich sei, war ich, wie viele Menschen überall auf der Welt, fassungslos.
Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass wir über dieses Thema nicht mehr sprechen müssen. Aber das musste ich in letzter Zeit leider wieder öfter.

Die mittlerweile zur Gewohnheit gewordene Frage, warum ich noch Teil der Kirche sei, wurde wieder mehr an mich herangetragen. Und auch ich musste leider wieder einmal darüber nachdenken.

Glücklicherweise wurde ich positiv überrascht – von den Reaktionen vieler Menschen, vor allem in Deutschland. Bilder wie diese habe ich in der letzten Zeit häufiger gesehen.

Regenbogenflaggen an der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck

In Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen, Münster und vielen anderen Städten werden Regenbogenflaggen als Zeichen der Sympathie gegenüber Homosexuellen gehisst – trotz kritischer Meinungen und Gegenstimmen.
Der Hashtag #seigesegnet trendet.
Viele Geistliche verkünden, dass sie sich der Aussage des Vatikans widersetzen und weiterhin homosexuelle Paare segnen wollen.
Das Thema ist in aller Munde.

Ja, es ist traurig, dass wir erneut über das Thema sprechen müssen, aber ermutigend zu sehen, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem auch aus der kirchlichen Richtung Unterstützung kommt. An dem wir, zumindest in Deutschland, in der Überzahl zu sein scheinen. Das gibt mir Kraft und Hoffnung.

Denn ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Gott einigen Menschen, aufgrund ihrer Sexualität, mit Ablehnung begegnet. Bei Johannes heißt es: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch!” (1. Joh. 3)Und schon ganz am Anfang der Bibel, in der Genesis, heißt es, dass Gott den Menschen erschaffen hat – und Menschen sind wir nun mal alle, egal ob Schwarz, Weiß, klein, groß, hetero- oder homosexuell…

 

 

 

Alles auf Hoffnung? Wie soll man denn bitte alles auf Hoffnung setzten? Es gibt ganz bestimmt genügend Dinge, auf die ich keine Hoffnung mehr setzte. Das raubt mir zu viel Kraft oder enttäuscht mich zu sehr. Wäre es also nicht viel einfacher, alle Hoffnungen im Keim zu ersticken? Einfach nicht mehr hoffen, dass in Zukunft alles besser wird oder dass meine Träume wahr werden.

Doch manchmal rührt sich da etwas in mir. Ist das etwa doch ein kleiner Hoffnungsfunke? Es ist auch nur ein winziger Gedanke an meine Zukunft, die so aufregend und erfüllend werden könnte. Trotzdem ist sie da, die Hoffnung. Und sie begleitet mich. Vielleicht wäre es einfacher ohne Hoffnung. Aber ist einfach, das was ich will? Nein, einfach ist bequem und einfach bringt mich nicht zu meinen Träumen. Wenn da ein kleiner Funke Hoffnung ist, kann daraus eine Flamme entstehen. Eine Flamme voll Hoffnung, voll Lebensdurst, voll Mut, voll Freude.

Als die beiden Frauen zum Grab von Jesus gingen, hatten sie keine Hoffnung mehr, dass er leben könnte. Sie entdeckten den weggerollten Stein vor dem Grab und dann erschien ihnen ein Engel. Vielleicht war es ein Engel der Hoffnung. Er sagte: „Fürchtet euch nicht! Jesus ist auferstanden.“

“Wenn die Hoffnung aufwacht, legt sich die Verzweiflung schlafen.”
Alice im Wunderland

Jesus ist auferstanden. DAS ist die frohe Botschaft. Die Botschaft der Hoffnung und sie lässt die Verzweiflung und die Trauer verschwinden. Dieses unvorhersehbare Ereignis ist geschehen, obwohl keiner mehr Hoffnung hatte. Jesus hat uns damit gezeigt, dass wir die Hoffnung nie aufgeben sollten. Denn sie kann uns Kraft geben und uns unseren Träumen näher bringen.

Alles auf Hoffnung
Alles was bleibt
Lass alles sich verändern
Da sind immer noch wir zwei

Ja, lass uns gemeinsam alles auf Hoffnung setzten. Es wird ganz bestimmt nicht einfach sein. Aber Gott wird uns dabei begleiten und uns stärken. Die Flamme der Hoffnung soll nicht verglühen, denn die Hoffnung kann uns Wunder bringen.

Frohe Ostern!

Guter Gott,
du bist der Anfang alles Gutem.
Deine Liebe ist bedingungslos.
Begleite uns in schwierigen Zeiten
und schenke uns Hoffnung.
Lass uns deine Liebe weitertragen
und Anderen Kraft geben.
Schenke uns und unseren Liebsten ein fröhliches
und natürlich hoffnungsvolles Osterfest.
Amen

Letztes Jahr fiel die Karwoche schon in den ersten Lockdown und wir zogen Vergleiche, dass die Überwindung der Pandemie für uns wie Ostern sein würde. Aber wir gingen sicherlich nicht davon aus, dass wir ein Jahr später unser „Ostern“ immer noch nicht gehabt hätten.
Dabei fällt es uns ja schon schwer, nur den Karfreitag in seiner Dunkelheit und Stille zu ertragen. Wir schätzen uns glücklich, weil wir wissen, dass Ostern zwei Tage später schon gefeiert wird.

Als ich mich dieses Mal mit Karfreitag beschäftigte, fiel mir auf, wie viel Jesus am Karfreitag eigentlich erdulden musste. Es war nicht nur einfach das Sterben.
Die vielen Dinge, die er erleben und erdulden musste, zeigen sich in den 14. Stationen des Kreuzweges:

  1. Jesus wird zum Tode verurteilt
  2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
  3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  4. Jesus begegnet seiner Mutter
  5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
  7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  8. Jesus begegnet den weinenden Frauen
  9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
  10. Jesus wird seiner Kleider beraubt
  11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
  12. Jesus stirbt am Kreuz
  13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
  14. Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.
    (Joh 19,16ff)

Und niemand wusste damals, wie es weitergeht und sicherlich gab es viele Hoffnungslose.

Was war das Härteste und Schwerste in deinem Leben?
Hattest du Hoffnung?
Gab es Menschen, die dir Hoffnung gemacht haben, die dir geholfen haben?
Und wie lange hat es gebraucht, um da wieder raus zu kommen? Oder bist du da noch drin?

Der Karfreitag ist ein Tag des Leidens, des Jammerns und Trauerns. Auch das muss und darf mal sein. Auch wenn dies für viele schwer auszuhalten ist.

Es sollen, können, dürfen und müssen danach auch wieder andere Tage kommen und darauf dürfen wir Christ*innen hoffen.

Manchmal reicht unsere Zuversicht nicht. Wenn du jetzt direkt jemand zum Reden brauchst, empfehlen wir die Telefonseelsorge (08001110111 oder 08001110222) oder die Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche) 116111 (Mo-Sa 14-20h).

Und so segne der Herr uns
gerade in unseren dunklen Stunden,
wenn außer jammern und leiden nichts geht.
Er schenke uns die Kraft
die schlimmen Zeiten zu erdulden und zu überstehen.
Auf dass auch im Elend ein Funken Hoffnung in uns lebendig bleibt.
Amen.

Am Ostersonntag gibt es den nächsten #betblog und der ist dann voller Hoffnung!