Als ich schon der dritten Person von der Doku „Leben ohne Erinnerung“ erzählte, merkte ich erst, wie sehr mich diese Doku beeindruckt hat.
Es ging um Daniel, der durch einen Unfall einen Gehirnschaden erlitten hatte und nicht mehr in der Lage ist, Dinge in seinem Langzeitgedächtnis zu speichern. Er erkennt nur noch Personen, die er vor dem Unfall kannte oder Personen, die er ständig um sich hat.
Seine Frau lernte er nach dem Unfall kennen und wurde dann auch Vater. Schon da beeindruckte mich die Frau sehr. Zumal sie sehr ergriffen erzählte, wie schwierig es ist, dass es mit ihrem Mann kein „weißt du noch…“ gibt.
Völlig geschockt hat mich dann der geschriebene Satz im Abspann erwischt:
„Kurz nach Fertigstellung des Films haben sich Katharina und Daniel getrennt.“

Erst durch die Doku ist mir bewusst geworden, wie oft gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen eine Beziehung zwischen Menschen festigt. Wie sehr gemeinsam durchschrittene Krisen das Vertrauen stärken und wie oft man sich  in einem ganz normalen Gespräch auf „weißt du noch…“ bezieht, manchmal sogar ohne Worte darum zu machen – weil man eben weiß, wie man sich immer begrüßt o.ä.

Letztendlich besteht unser Glaube eben genau daraus (besonders das neue Testament). Wir leben seit Jahrhunderten aus dem „weißt du noch…“, beziehen uns auf die Bibel und auf Rituale. Wir stellen fest, dass einige Menschen unsere Rituale und Symbole gar nicht mehr verstehen und sind manchmal selbst nicht in der Lage, die Dinge mit unseren eigenen Worten zu erklären bzw. wissen selbst gar nicht mehr um die Bedeutung. Wie soll dann daraus eine gute Gemeinschaft entstehen, wenn diese doch durch gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen entsteht?
Manch eine*r von uns weiß, wie lange die Erlebnisse aus Ferienfreizeiten einen tragen oder wie lange die gemeinsame Jugendarbeit auch noch über die Zeit hinaus verbindet.

Kennst du bei deinen Lieblingsmenschen die entscheidenden Momente des „weißt du noch…“, die euch bis heute tragen?
Haben sich die Momente damals schon als entscheidend zu erkennen gegeben oder kann man das erst aus der Rückschau erkennen?
Hast du schon mal bewusst in „weißt du noch…“-Momente investiert, in der Hoffnung, dass diese euch lange tragen?

Herr,
ich danke dir für meine Erinnerungen,
die mich mit meinen Lieblingsmenschen verbinden.
Schenke Menschen mit wenig guten Erinnerungen neue bedeutende Momente,
die für sie irgendwann ein Grund sich gerne zu erinnern.
Hilf all denen Menschen,
die keine Erinnerungen haben,
dass sie einen Weg für sich und ihre Lieblingsmenschen finden.
Amen.

Manchmal ist einfach die Luft raus. Immer der gleiche Trott, immer der gleiche Alltag, immer die gleiche Frisur. Gerade jetzt in dieser Zeit kommt es mir so vor, als ob jeder Tag sich gleich anfühlt, keine wirkliche Abwechslung bringt. Das ein oder andere Mal ist mir schon der Gedanke gekommen, ob man nicht irgendwas verändern könnte, irgendetwas verrücktes, woanders nochmal neu anfangen oder sich vielleicht tatsächlich noch einmal selbst neu erfinden….

Sich neu erfinden, sich selbst ein neues Leben schenken…das muss ja gar nicht so radikal sein, wie Peter Fox es besingt vor allem nicht, indem man zerstört. Aber hattet ihr auch schon mal Momente, in denen ihr einfach nur ausbrechen wolltet? Alles neu machen wolltet? Oder auch nur eine Kleinigkeit ändern wolltet?

Nach der Schule wollte ich aber raus. Irgendwie mir selber zeigen, dass ich in neuem Umfeld viel selbstbewusster sein kann, viel freier sein kann. Hat auch geklappt. Manchmal helfen mir dann aber auch wieder kleine Veränderungen, um mich selber wieder wie neu zu fühlen…beispielsweise eine neue Frisur, gerade spiele ich wieder mit dem Gedanken zum kurzen Bob zurückzukehren, oder das Ausprobieren eines neuen Hobbies. Das fühlt sich für mich auch schonmal wie ein Neuanfang an, da ich meinen Horizont erweitere.

Im Buch der Weisheit steht im Zusammenhang mit der Rettung der Israeliten aus Ägypten sogar geschrieben, dass „die ganze Schöpfung in ihrer Eigenart wieder neu gestaltet [wurde], um deinen Geboten zu dienen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.“ (Weisheit 19,6)

Für mich reichen aber auch ganz kleine Dinge, die neu gestaltet werden, um mich wie neu zu fühlen. So große Veränderungen, wie die Neugestaltung der Schöpfung bedarf es da gar nicht.

Umgestalten, statt zerstören, umnutzen, statt wegwerfen, Dingen ein neues Leben geben. Upcycling, das einem aktuell ja das ein oder andere Mal über den Weg läuft, macht ja genau das. Durch das Umgestalten schon genutzter Gegenstände, lässt sich die Schöpfung eher bewahren. Etwas, was man sonst wegwerfen würde, wird sogar noch aufgewertet. Quasi aus alt mach neu. Mit ein bisschen Kreativität kann man dabei einem langweiligen, vielleicht ausgedienten Gegenstand oder auch Einmalgegenständen sogar ein neues Leben schenken. Ein neues Leben an dem man selber viel Freude haben kann. Mit viel Fantasie lässt sich dabei so einiges bewerkstelligen und aus ganz normalen Alltagsgegenständen, lässt sich etwas neues zaubern.

 

Gott,
wir danken dir für deine Schöpfung,
wir danken dir, dass du uns unser Leben geschenkt hast.
Auch wenn uns der Alltag manchmal grau erscheinen mag und wir am liebsten ausbrechen würden, lass uns immer daran denken, dass manchmal eine kleine Änderung bereits eine große Wirkung haben kann und uns zu einem neuen Menschen machen kann.
Gib uns Inspiration und Kreativität und lass uns sehen, was wir vorher gar nicht wahrgenommen haben, um mit einer kleinen Änderung auch dem Alltag neues Leben einzuhauchen.
Amen

 

Habt ihr schon einmal etwas verwandelt, upgecycled? Hier sind ein paar Ideen dazu:

https://padlet.com/annikajorde/rwlkpou2z71jizbe

Es gibt viele Dinge, die ich nicht verstehe:
Russisch, Schlagermusik, Butter unter Nutella – und Ausgrenzung.

Ich bin christlich aufgewachsen und dementsprechend christlich sozialisiert. Deshalb sind mir natürlich auch christliche Werte sehr wichtig – vor allem Nächstenliebe und Akzeptanz.

Und ehrlich gesagt habe ich dann ganz schön damit zu kämpfen, wenn ich diese Werte innerhalb der Kirche, aus der sie kommen, verletzt sehe.
Als der Vatikan vor kurzem verkündete, dass die Segnung von homosexuellen Paaren, entgegen der allgemeinen Praxis, nicht möglich sei, war ich, wie viele Menschen überall auf der Welt, fassungslos.
Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass wir über dieses Thema nicht mehr sprechen müssen. Aber das musste ich in letzter Zeit leider wieder öfter.

Die mittlerweile zur Gewohnheit gewordene Frage, warum ich noch Teil der Kirche sei, wurde wieder mehr an mich herangetragen. Und auch ich musste leider wieder einmal darüber nachdenken.

Glücklicherweise wurde ich positiv überrascht – von den Reaktionen vieler Menschen, vor allem in Deutschland. Bilder wie diese habe ich in der letzten Zeit häufiger gesehen.

Regenbogenflaggen an der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck

In Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen, Münster und vielen anderen Städten werden Regenbogenflaggen als Zeichen der Sympathie gegenüber Homosexuellen gehisst – trotz kritischer Meinungen und Gegenstimmen.
Der Hashtag #seigesegnet trendet.
Viele Geistliche verkünden, dass sie sich der Aussage des Vatikans widersetzen und weiterhin homosexuelle Paare segnen wollen.
Das Thema ist in aller Munde.

Ja, es ist traurig, dass wir erneut über das Thema sprechen müssen, aber ermutigend zu sehen, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem auch aus der kirchlichen Richtung Unterstützung kommt. An dem wir, zumindest in Deutschland, in der Überzahl zu sein scheinen. Das gibt mir Kraft und Hoffnung.

Denn ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Gott einigen Menschen, aufgrund ihrer Sexualität, mit Ablehnung begegnet. Bei Johannes heißt es: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch!” (1. Joh. 3)Und schon ganz am Anfang der Bibel, in der Genesis, heißt es, dass Gott den Menschen erschaffen hat – und Menschen sind wir nun mal alle, egal ob Schwarz, Weiß, klein, groß, hetero- oder homosexuell…

 

 

 

Alles auf Hoffnung? Wie soll man denn bitte alles auf Hoffnung setzten? Es gibt ganz bestimmt genügend Dinge, auf die ich keine Hoffnung mehr setzte. Das raubt mir zu viel Kraft oder enttäuscht mich zu sehr. Wäre es also nicht viel einfacher, alle Hoffnungen im Keim zu ersticken? Einfach nicht mehr hoffen, dass in Zukunft alles besser wird oder dass meine Träume wahr werden.

Doch manchmal rührt sich da etwas in mir. Ist das etwa doch ein kleiner Hoffnungsfunke? Es ist auch nur ein winziger Gedanke an meine Zukunft, die so aufregend und erfüllend werden könnte. Trotzdem ist sie da, die Hoffnung. Und sie begleitet mich. Vielleicht wäre es einfacher ohne Hoffnung. Aber ist einfach, das was ich will? Nein, einfach ist bequem und einfach bringt mich nicht zu meinen Träumen. Wenn da ein kleiner Funke Hoffnung ist, kann daraus eine Flamme entstehen. Eine Flamme voll Hoffnung, voll Lebensdurst, voll Mut, voll Freude.

Als die beiden Frauen zum Grab von Jesus gingen, hatten sie keine Hoffnung mehr, dass er leben könnte. Sie entdeckten den weggerollten Stein vor dem Grab und dann erschien ihnen ein Engel. Vielleicht war es ein Engel der Hoffnung. Er sagte: „Fürchtet euch nicht! Jesus ist auferstanden.“

“Wenn die Hoffnung aufwacht, legt sich die Verzweiflung schlafen.”
Alice im Wunderland

Jesus ist auferstanden. DAS ist die frohe Botschaft. Die Botschaft der Hoffnung und sie lässt die Verzweiflung und die Trauer verschwinden. Dieses unvorhersehbare Ereignis ist geschehen, obwohl keiner mehr Hoffnung hatte. Jesus hat uns damit gezeigt, dass wir die Hoffnung nie aufgeben sollten. Denn sie kann uns Kraft geben und uns unseren Träumen näher bringen.

Alles auf Hoffnung
Alles was bleibt
Lass alles sich verändern
Da sind immer noch wir zwei

Ja, lass uns gemeinsam alles auf Hoffnung setzten. Es wird ganz bestimmt nicht einfach sein. Aber Gott wird uns dabei begleiten und uns stärken. Die Flamme der Hoffnung soll nicht verglühen, denn die Hoffnung kann uns Wunder bringen.

Frohe Ostern!

Guter Gott,
du bist der Anfang alles Gutem.
Deine Liebe ist bedingungslos.
Begleite uns in schwierigen Zeiten
und schenke uns Hoffnung.
Lass uns deine Liebe weitertragen
und Anderen Kraft geben.
Schenke uns und unseren Liebsten ein fröhliches
und natürlich hoffnungsvolles Osterfest.
Amen

Letztes Jahr fiel die Karwoche schon in den ersten Lockdown und wir zogen Vergleiche, dass die Überwindung der Pandemie für uns wie Ostern sein würde. Aber wir gingen sicherlich nicht davon aus, dass wir ein Jahr später unser „Ostern“ immer noch nicht gehabt hätten.
Dabei fällt es uns ja schon schwer, nur den Karfreitag in seiner Dunkelheit und Stille zu ertragen. Wir schätzen uns glücklich, weil wir wissen, dass Ostern zwei Tage später schon gefeiert wird.

Als ich mich dieses Mal mit Karfreitag beschäftigte, fiel mir auf, wie viel Jesus am Karfreitag eigentlich erdulden musste. Es war nicht nur einfach das Sterben.
Die vielen Dinge, die er erleben und erdulden musste, zeigen sich in den 14. Stationen des Kreuzweges:

  1. Jesus wird zum Tode verurteilt
  2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
  3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  4. Jesus begegnet seiner Mutter
  5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
  7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  8. Jesus begegnet den weinenden Frauen
  9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
  10. Jesus wird seiner Kleider beraubt
  11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
  12. Jesus stirbt am Kreuz
  13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
  14. Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.
    (Joh 19,16ff)

Und niemand wusste damals, wie es weitergeht und sicherlich gab es viele Hoffnungslose.

Was war das Härteste und Schwerste in deinem Leben?
Hattest du Hoffnung?
Gab es Menschen, die dir Hoffnung gemacht haben, die dir geholfen haben?
Und wie lange hat es gebraucht, um da wieder raus zu kommen? Oder bist du da noch drin?

Der Karfreitag ist ein Tag des Leidens, des Jammerns und Trauerns. Auch das muss und darf mal sein. Auch wenn dies für viele schwer auszuhalten ist.

Es sollen, können, dürfen und müssen danach auch wieder andere Tage kommen und darauf dürfen wir Christ*innen hoffen.

Manchmal reicht unsere Zuversicht nicht. Wenn du jetzt direkt jemand zum Reden brauchst, empfehlen wir die Telefonseelsorge (08001110111 oder 08001110222) oder die Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche) 116111 (Mo-Sa 14-20h).

Und so segne der Herr uns
gerade in unseren dunklen Stunden,
wenn außer jammern und leiden nichts geht.
Er schenke uns die Kraft
die schlimmen Zeiten zu erdulden und zu überstehen.
Auf dass auch im Elend ein Funken Hoffnung in uns lebendig bleibt.
Amen.

Am Ostersonntag gibt es den nächsten #betblog und der ist dann voller Hoffnung!

Es ist kein Aprilscherz: Heute ist Gründonnerstag.

Vor einem Jahr standen wir an einem recht ähnlichen Punkt: Ostern steht vor der Tür, während wir hinter verschlossener gleicher im Lockdown sitzen. Ein Jahr, in dem viel und gleichzeitig auch nichts passiert ist.
Für viele von uns ist klar, dass wir auch dieses Osterfest nur im Kreise unserer Hausgemeinschaft feiern werden, statt zum Osterfrühstück oder gemeinsamem Abendessen mit unserer Familie und unseren Freund*innen zusammen zu kommen.

Dabei geht es doch an Gründonnerstag um die Gemeinschaft. Jesus holt seine Freunde zusammen, um mit ihnen seinen letzten Abend zu verbringen. Obwohl es für Jesus düster aussieht, ist es ihm sehr wichtig, mit seinen Freunden zum Essen zusammen zu kommen. Sie erinnern sich an ihre gemeinsame Zeit und ihre Erlebnisse. Alle sind sich sehr nah. Dieser Abend bringt nicht nur Jesus und die Jünger näher zusammen, sondern verstärkt auch das Band zwischen Gott und den Menschen.

Was machen wir jetzt daraus, in einem Jahr wie diesem?

Eine gute, und vor allem nicht einfache Frage. Ich denke, wir sollten das Beste daraus machen: Das Abendessen bewusst so mit anderen genießen, wie es eben gerade geht: Ob mit dem engsten Familienkreis zuhause oder mit den Freund*innen am Bildschirm – das sind wir ja inzwischen gewohnt 😉
Und vor allem sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir gemeinsam erlebt haben: Die Zeit zusammen, die Herausforderungen, die wir gemeinsam durchgestanden haben und vielleicht auch das letzte Jahr, das wir auch irgendwie geschafft haben.
Nur, weil wir nicht nicht alle an einem Tisch sitzen können, heißt das nicht, dass wir nicht gemeinsam zusammenkommen können. Und darum geht es ja irgendwie auch an Ostern:
Obwohl man weiß, dass es gerade nicht so rosig aussieht, sich auf Vergangenes zu besinnen.

Lieber Gott,
das Osterfest verbringen wir wieder einmal anders,

als wir es uns vorgestellt haben.
Wir müssen andere Wege finden,
zum gemeinsamen Abendmahl zusammen zu kommen.
Schenke uns kreative Ideen, 
dieses Osterfest zu verbringen und
lass hilf uns, dass wir uns auf vergangene,
gemeinsame Zeiten besinnen
und so zusammen Ostern zu feiern.
Amen.

Morgen gibt es den nächsten #betblog, der dich am Karfreitag nicht alleine lässt.

Als ich neulich abends auf der Couch saß und Musik hörte, stieß ich irgendwann auf folgendes Lied des Künstlers Fabian Römer:

Und irgendwie fühlte es sich merkwürdig passend und gleichzeitig wie ein weit entfernter Traum an. Der Künstler singt hier davon, gerade einfach mal eine Pause zu machen, sich nicht um Pflichten, Struktur oder seine Zukunft zu kümmern, sondern vor sich hinzuleben und nur das zu tun, worauf er gerade Lust hat.

Hätte ich dieses Lied vor etwas mehr als einem Jahr gehört, hätte ich dieses Gefühl zu 100% nachvollziehen können. Man denkt ja schließlich, gerade auch in jungen Jahren, viel über die nächsten Schritte nach, plant seine Zukunft und hängt Aufgaben hinterher, um eben keine Lücke im Lebenslauf zu haben.

Und trotzdem ist sie irgendwie da, seit über einem Jahr. Diese blöde Lücke, in der zwar alles irgendwie weitergeht, aber auch nicht so richtig.
Der volle, durchgetaktete Tag ist irgendwie freier, aber zugleich doch irgendwie stressig. Ich verbringe mehr Zeit zuhause, aber nicht mehr so gerne wie früher. Und plötzlich klingen die Zeilen des Liedes nicht mehr so nach idyllischer Auszeit, sondern nach bitterer Realität:

Und wenn mein Vater fragt: „was machst du so den ganzen Tag?“
denk’ ich verdächtig lang über ‘ne Antwort nach.
Was soll ich denn bitte sagen?
Den Wecker stell’ ich nur um die Sonne nicht zu verschlafen.

Und trotzdem geht’s mir an sich gut. Mein Stresspegel ist gesunken. Ich habe mir, aufgrund mangelnder Alternativen, endlich mal Zeit genommen, die Dinge zu tun, die lange liegen geblieben sind. Ich hatte zwischendurch den Kopf frei genug, um kreativ zu arbeiten, Ideen zu verwirklichen und zu schreiben.
Und so bekommen die Zeilen von oben doch noch eine positive Wendung:

Ich lieg’ auf Wiesen und zelebriere das gar nichts tun,
leerer Kalender – vollgeschriebenes Tagebuch.

Und auch, wenn ich mir im Gegensatz zu Fabian Römer wünsche, dass diese Lücke in meinem Leben bald wieder endet, erkenne ich doch, dass eine gewisse Ruhe und ein Abweichen vom Tagesgeschehen ganz schön gut tun kann. Es gibt schließlich einen Grund, wieso Gott nach getaner Arbeit einen ganzen Tag geruht hat, um sich seine Erfolge anzusehen. (1. Mose 2)

Guter Gott,
manchmal entstehen Lücken in meinem Leben,
die ich füllen möchte.
Hilf mir, mich dabei zwischendurch auch darauf zu besinnen,
Pausen zu machen und bewusst Lücken zu lassen,
damit auch ich zur Ruhe komme.
Amen.

Ein Song, ist ein Song, ist ein Song.

Nein, ist es nicht!

Vor Ewigkeiten habe ich den Song „creep“ von Max Mutzke bei YouTube gefunden und er hat mich damals beeindruckt und als ich ihn heute sah hat er mich wieder beeindruckt.

Wenn man das Video gesehen hat, kann man so gut verstehen, warum den Künster*innen das Auftreten fehlt, wie auch warum die Auftritte uns fehlen. Denn es geht dort auch um Interaktion.

Wie großartig zu sehen, dass die Worte „so fucking special“ durch die Betonung so unterschiedliches bedeuten können. Oder wie nur das Austauschen des Wortes „fucking“ gegen „very“ eine Reaktion hervorruft.

Und dann dieser Moment, in dem Max sich die Seele mit einem langen Ton aus dem Leib singt, kann das Publikum nicht anders als zu applaudieren.
Ein toller Moment.

Wir sind als Menschen so sehr auf die Reaktionen von anderen angewiesen – naja, zumindest machen Reaktionen uns oft einiges leichter.
Wie blöd ist es da, wenn man in einer Videokonferenz vor schwarzen Quadraten sitzt oder im Supermarkt den Menschen gar nicht mehr ins Gesicht guckt, weil die Maske eh so viel verdeckt.
Aber man kann ja in der Einschränkung kreativ sein.
Ich bin bestimmt nicht diejenige, die sich gerne vor der Kamera steht. Aber ich schalte meine Kamera an – aus Solidarität zur Moderation oder zu den anderen Teilnehmenden, solange es technisch möglich ist.

Im Supermarkt schaue ich den Menschen wieder ins Gesicht und wenn mein Lächeln nicht sichtbar ist, kann ich aber vielleicht häufiger „danke“ oder „gern geschehen“ oder „kein Problem“ sagen.

Und sollte ich damit ein Creep (Spinner) sein, dann bin ich immerhin „so fucking special“.

Einer, der auch von vielen als Creep gesehen wurde, war Jesus.
Der Tempel, der zur Ehrung seines Vaters gebaut wurde, wurde von vielen Händlern und Verkäufern genutzt. Jesus warf die Tische um und sagte ihnen, dass sie den Tempel nicht als Ort der Ehrung achteten und warf sie raus.
Er selbst heilte dann im Tempel Blinde und Kranke und zeigte dadurch seine Kraft als Sohn Gottes und damit auch seine Anerkennung (Mat 21,12ff).

Er zeigte eine Reaktion auf etwas, was er anders interpretierte und nutze den Raum dann kreativ für das, was er für richtig hielt.

Herr,
lass mich nicht immer nur die Grenzen sehen,
sondern auch die Möglichkeiten,
die selbst dort gegeben sind.
Lass mich mutig ein Creep sein,
wenn es der Gesellschaft hilft.
Amen.

Darf man eigentlich Erwartungen haben?

Ich habe aufgeräumt.
Nicht als Neujahrsvorsatz, sondern weil es unbedingt nötig war.
Und was man da nicht alles findet…  Alte Postkarten, Bilder, Bücher, Notizzettel mit komischen Ideen und eine alte Filmdose. Verwundert öffnete ich sie, mit dem Hintergedanken, dass ich eine dazu passende Kamera vor 10 Jahren das letzte Mal in der Hand hatte. Vielleicht ist die ja von meinem Vormieter.
Aber nein, es ist wirklich meine und auf einmal wurde mein Gehirn von diversen Erinnerungen geflutet.

Die Dose haben ich 2019 bei einem cross#roads-Teamtreffen befüllt. Innen drin sind kleine Herzen aus Holz. Diese sind beschrieben. Mit Erwartungen für das Jahr 2020.

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass wir uns 2020 komplett anders vorgestellt haben. Jegliche Hoffnungen an dieses Jahr wurde zerstört.
Somit stelle ich mir die Frage, ob es nicht besser ist, wenn wir keine Erwartungen haben. Dann können wir ja auch nicht enttäuscht werden.
Da habe ich mir die Frage gestellt: „Wurde ich jemals von Gott enttäuscht?“
Vertraue ich ihm blind? Fühle ich mich bei ihm geborgen?

Ich persönlich bin durch Corona nachdenklicher geworden. Das ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen Seite blockiert es mich häufig. Vielen sind die gewisse Sprunghaftigkeit und Leichtigkeit, welche wir bei einfachen Entscheidungen hatten, verloren gegangen.
Und genau da hat mir mein Vertrauen in Gott geholfen.
Einfach mal loslassen. Nicht denken, wie die kleinste Handlung meine nahe und ferne Zukunft beeinflussen kann. Einfach machen.

„Verlass dich auf den Herren von ganzem Herzen,
und verlass dich nicht auf deinen Verstand,
sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen,
so wird er dich recht führen.“  Sprüche 3:5-6

Ich ziehe für mich aus diesem Fund, dass Hoffnung immer angebracht ist.
Nicht zu viel zu erwarten, hilft dir aber nicht, enttäuscht zu werden, aber selbst wenn das geschieht, wird es immer jemanden geben, der dich auffängt.

Lieber Gott,
manchmal hat man freudige Erwartungen,
die sich dann nicht erfüllen.
Hilf uns, bei diesen Niederschlägen
nicht das Vertrauen in dich und in die Zukunft zu verlieren
und schenke und Kraft und Hoffnung.
Amen.

Anfang des Jahres verteilen wir im Team cross#roads immer die Termine, wer wann dran ist mit einem #betblog. In den vergangenen Jahren war es manchmal so, dass mir so viel durch den Kopf ging oder passiert ist, dass ich schon viele Themen gesammelt hatte oder frühzeitig ein #betblog fertig war, der quasi auf Halde lag.

Dieses Jahr ist es bei mir anders. Klar, man könnte sagen, dass ich vielleicht in den vergangenen Jahren alle meine Themen niedergeschrieben habe. Aber das glaube ich nicht. Ich vermute eher, dass es doch an dieser eher erlebnisarmen und reizarmen Zeit liegt.

Denn was tue ich denn gerade noch?

  • arbeiten im Homeoffice
  • telefonieren mit mir wichtigen Menschen
  • manchmal einen Freund treffen
  • Fernsehn oder Filme gucken
  • lesen

Woher soll da Inspiration kommen oder woher neue Impulse?

Und dann habe ich festgestellt, dass es vielleicht doch eher an meinem Blickwinkel liegt. Denn auch in diesen Zeiten gibt es neue Impulse und Inspirationen, aber sie springen mich nicht so an wie früher. Ich muss dafür aufmerksamer und empfindsamer sein. Außerdem muss ich mir andere Rituale einfallen lassen, denn oftmals kamen mir solche Ideen beim Autofahren. Nur bin ich momentan sehr wenig mit dem Auto unterwegs und dann auch nur kurze Strecken.

Veränderungen gab es schon immer und manchmal sind sie viel auffälliger und krasser, als sich nur darauf zu besinnen, dass es hilfreiche andere Blickwinkel geben kann.

In der Bibel gibt es Saulus, der alle Christen verfolgt und sie fesselt, wenn man nur Jesu Namen erwähnt. Auf einer Reise nach Damaskus trifft ihn ein Lichtblitz und er stürzt vom Pferd, dabei hört er Jesu Stimme, die ihn fragt, warum er Jesus und seine Anhänger verfolgt. Saulus ist die nächsten Tage blind und er isst nichts. Jesus schickt ihm einen Jünger, der Saulus die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann. Dieses Erlebnis bekehrt Saulus und er erkennt Jesus als Sohn Gottes an und wird als Paulus ein großer Verkünder von Jesus und seinem Handeln.
(Apostelgeschichte 9,1ff)

Liebender Gott,
Veränderungen müssen nicht immer
mit Trommelwirbel und Feuerwerk angekündigt oder gefeiert werden.
Hilf mir immer wieder, die Situationen in meinem Leben zu erkennen,
in denen Veränderungen, egal wie klein sie sind,
angebracht sind.
Lass mich den Mut zur Veränderung haben und
die Chancen der Veränderung wahrnehmen.
Amen.