Darf man eigentlich Erwartungen haben?

Ich habe aufgeräumt.
Nicht als Neujahrsvorsatz, sondern weil es unbedingt nötig war.
Und was man da nicht alles findet…  Alte Postkarten, Bilder, Bücher, Notizzettel mit komischen Ideen und eine alte Filmdose. Verwundert öffnete ich sie, mit dem Hintergedanken, dass ich eine dazu passende Kamera vor 10 Jahren das letzte Mal in der Hand hatte. Vielleicht ist die ja von meinem Vormieter.
Aber nein, es ist wirklich meine und auf einmal wurde mein Gehirn von diversen Erinnerungen geflutet.

Die Dose haben ich 2019 bei einem cross#roads-Teamtreffen befüllt. Innen drin sind kleine Herzen aus Holz. Diese sind beschrieben. Mit Erwartungen für das Jahr 2020.

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass wir uns 2020 komplett anders vorgestellt haben. Jegliche Hoffnungen an dieses Jahr wurde zerstört.
Somit stelle ich mir die Frage, ob es nicht besser ist, wenn wir keine Erwartungen haben. Dann können wir ja auch nicht enttäuscht werden.
Da habe ich mir die Frage gestellt: „Wurde ich jemals von Gott enttäuscht?“
Vertraue ich ihm blind? Fühle ich mich bei ihm geborgen?

Ich persönlich bin durch Corona nachdenklicher geworden. Das ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen Seite blockiert es mich häufig. Vielen sind die gewisse Sprunghaftigkeit und Leichtigkeit, welche wir bei einfachen Entscheidungen hatten, verloren gegangen.
Und genau da hat mir mein Vertrauen in Gott geholfen.
Einfach mal loslassen. Nicht denken, wie die kleinste Handlung meine nahe und ferne Zukunft beeinflussen kann. Einfach machen.

„Verlass dich auf den Herren von ganzem Herzen,
und verlass dich nicht auf deinen Verstand,
sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen,
so wird er dich recht führen.“  Sprüche 3:5-6

Ich ziehe für mich aus diesem Fund, dass Hoffnung immer angebracht ist.
Nicht zu viel zu erwarten, hilft dir aber nicht, enttäuscht zu werden, aber selbst wenn das geschieht, wird es immer jemanden geben, der dich auffängt.

Lieber Gott,
manchmal hat man freudige Erwartungen,
die sich dann nicht erfüllen.
Hilf uns, bei diesen Niederschlägen
nicht das Vertrauen in dich und in die Zukunft zu verlieren
und schenke und Kraft und Hoffnung.
Amen.

Anfang des Jahres verteilen wir im Team cross#roads immer die Termine, wer wann dran ist mit einem #betblog. In den vergangenen Jahren war es manchmal so, dass mir so viel durch den Kopf ging oder passiert ist, dass ich schon viele Themen gesammelt hatte oder frühzeitig ein #betblog fertig war, der quasi auf Halde lag.

Dieses Jahr ist es bei mir anders. Klar, man könnte sagen, dass ich vielleicht in den vergangenen Jahren alle meine Themen niedergeschrieben habe. Aber das glaube ich nicht. Ich vermute eher, dass es doch an dieser eher erlebnisarmen und reizarmen Zeit liegt.

Denn was tue ich denn gerade noch?

  • arbeiten im Homeoffice
  • telefonieren mit mir wichtigen Menschen
  • manchmal einen Freund treffen
  • Fernsehn oder Filme gucken
  • lesen

Woher soll da Inspiration kommen oder woher neue Impulse?

Und dann habe ich festgestellt, dass es vielleicht doch eher an meinem Blickwinkel liegt. Denn auch in diesen Zeiten gibt es neue Impulse und Inspirationen, aber sie springen mich nicht so an wie früher. Ich muss dafür aufmerksamer und empfindsamer sein. Außerdem muss ich mir andere Rituale einfallen lassen, denn oftmals kamen mir solche Ideen beim Autofahren. Nur bin ich momentan sehr wenig mit dem Auto unterwegs und dann auch nur kurze Strecken.

Veränderungen gab es schon immer und manchmal sind sie viel auffälliger und krasser, als sich nur darauf zu besinnen, dass es hilfreiche andere Blickwinkel geben kann.

In der Bibel gibt es Saulus, der alle Christen verfolgt und sie fesselt, wenn man nur Jesu Namen erwähnt. Auf einer Reise nach Damaskus trifft ihn ein Lichtblitz und er stürzt vom Pferd, dabei hört er Jesu Stimme, die ihn fragt, warum er Jesus und seine Anhänger verfolgt. Saulus ist die nächsten Tage blind und er isst nichts. Jesus schickt ihm einen Jünger, der Saulus die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann. Dieses Erlebnis bekehrt Saulus und er erkennt Jesus als Sohn Gottes an und wird als Paulus ein großer Verkünder von Jesus und seinem Handeln.
(Apostelgeschichte 9,1ff)

Liebender Gott,
Veränderungen müssen nicht immer
mit Trommelwirbel und Feuerwerk angekündigt oder gefeiert werden.
Hilf mir immer wieder, die Situationen in meinem Leben zu erkennen,
in denen Veränderungen, egal wie klein sie sind,
angebracht sind.
Lass mich den Mut zur Veränderung haben und
die Chancen der Veränderung wahrnehmen.
Amen.

“Endlich ist 2020 vorbei. Das war aber auch ein Jahr.”

So oder so ähnlich habe ich es in letzter Zeit ziemlich oft gehört. Viele Menschen waren froh, dass 2020 vorbei ist und man hoffentlich nicht wieder drüber sprechen muss. Vieles war anders (und ehrlich gesagt ist es dass noch immer) und viele Dinge, die für letztes Jahr im Kalender standen, sind ausgefallen. Kein gutes Jahr, oder?

Kurz vor dem Jahresende war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ich habe mich umgeschaut und bin mit dem Blick irgendwann an einem Plakat hänge geblieben, dass an ihrer Wand hing: Ungefähr DIN A2, voll bunter Zettel, die sich teilweise überlappten und übereinander geklebt waren. Mich faszinierte dieses Plakat und ich fragte nach, was das genau sei.
Sie erklärte mir, dass sie jedes Jahr ein solches Plakat macht, mit allem, was sie in dem Jahr zum ersten Mal gemacht oder neu für sich entdeckt hat. Jede Sache kommt dann auf einen bunten Zettel und wird an das Plakat gehängt.

Dann verschwand sie kurz und zeigte mir dann das Plakat aus dem letzten Jahr. Ich schaute es mir an und war überrascht: Das Plakat für 2020 war wesentlich voller als das für 2019. Klar, es fehlten neue Länder oder auch neue Menschen, aber dafür fanden sich so viele andere, schöne Dinge wieder.

 

Und, wenn ich mal genau darüber nachdenke, ist es auch bei mir so. 2020 hat mich oft zum Improvisieren gezwungen, was aber meistens für neue, spannende Ergebnisse gesorgt hat. Ich habe meine Freunde vielleicht nicht oft getroffen, dafür zum ersten Mal einen digitalen Spieleabend gemacht, einen Online-Escape-Room entworfen und gespielt, Videobotschaften verschickten, Autokinos besucht und und und…

Wie sieht es bei dir aus? Hast du neue Dinge erlebt im letzten Jahr? Oder vielleicht auch schon dieses Jahr?

Die Bibel enthält viele Geschichten, in denen es um neue Erfahrungen und Herausforderungen geht. Jona, der sich in ein neues Land begeben muss; Mose, der plötzlich vor der Aufgabe steht, sich seinen Weg durch Ägypten zu bahnen und schließlich die Jünger, die nach Jesu’ Tod plötzlich alleine dastehen und seine Botschaft weitertragen müssen.
Sie alle haben sich diesen Wandel nicht ausgesucht, dadurch aber neue Dinge erlebt und an Erfahrung dazugewonnen.
Irgendwie gibt mir das Mut…

 

Guter Gott,
manchmal werden wir gezwungen,
uns auf neue Pfade zu begeben.
Hilf uns, den neuen Dingen, 
die uns auf diesem Weg erwarten,
mit Freude zu begegnen und
neue Erfahrungen zu machen.
Amen.

 

Vorsätze für das neue Jahr – was hältst du davon?
Ich habe irgendwann resigniert.

Meine Vorsätze waren früher immer riesig und der Frust groß, wenn ich dann an dem Vorsatz gescheitert bin – egal wann, ob am 2.1. oder am 20.5.
Aber vor ein paar Jahren fiel mir eine Postkarte in die Hände, die mich so bedruckte, dass es mein Jahresmotto wurde:

Es machte mir Mut und ich habe eher das Positive gesucht als mich von Befürchtungen abhalten lassen.

Für 2020 fand ich dann einen Kalender mit dem eingestanzten Spruch:
„Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen“
Zu Beginn des Jahres war es eher die Aufforderung, im Stress nicht die wesentlichen Dinge aus den Augen zu verlieren und mir Gutes zu gönnen, am Ende des Jahres war die Bedeutung eine andere:
Ich kann nicht sagen, dass ich 2020 nur Stress gehabt hätte. Aber Corona zwang mich, Prioritäten auf ausgewählten, menschlichen Kontakt zu setzen. Wen, erlaubte ich mir, tatsächlich noch zu treffen.

Aber auch dienstlich war es plötzlich möglich, Dinge hinter sich zu lassen und in einem neuen Rahmen völlig neue Dinge zu tun.
Ja, und da waren tatsächlich Dinge dabei, die mich glücklich gemacht haben.

Für 2021 gibt es einen neuen Kalender mit einem neuen Spruch. Bisher ist die Idee, mal mutig Dinge zu tun, ohne sie vorher bis ins Kleinste zu zerdenken.

Mal gucken, ob die Bedeutung am Ende des Jahres noch die Gleiche ist.
Gibt es bei dir auch ein Jahresmotto? Oder hast du ein Lebensmotto? Verändert dein Blick auf das Motto sich im Laufe der Zeit?

In früheren Zeiten scheinen solche Sprüche tatsächlich Eingang in die Bibel gefunden zu haben. So gibt es im alten Testament ein ganzes Buch der Sprichwörter. Einige davon könnten sogar so oder eher ähnlich heute noch gesagt werden:
“Höre, mein Kind, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht.” (Spr.1,8)
oder
“Nie sollen Liebe und Treue dich verlassen, binde sie dir um den Hals, schrei sie auf die Tafel deines Herzens!”(Spr.2,3)
oder
“Nehmt lieber Bildung an als Silber und Verständnis als erlesenes Gold.” (Spr. 8,10)
oder
“Ein fröhliches Herz macht das Gesicht heiter, Kummer im Herzen bedrückt das Gemüt.” (Spr 15,13)
oder
“Besser ein trockenes Stück Brot und Ruhe dabei als ein Haus voll Brauten und dabei Streit.” (Spr.17,1)

Wenn du magst, stöbere doch mal im Buch der Sprüche in der Bibel oder, wenn du willst, schicke eine Mail an petra@crossroads-essen.de und sie schickt dir dann eine Spruch-Postkarte aus unserem Fundus – wenn du noch 2-3 Stichwörter zu dir schreibst, passt die Spruchkarte vielleicht sogar noch etwas besser zu dir.

Herr,
Worte sind manchmal einfach nur Schall und Rauch.
Wie gut, wenn es dann Worte gibt,
die unser Leben begleiten,
ihm eine neue Richtung geben
oder uns Mut geben und uns an wichtiges erinnern.
Schenke mir die Weisheit zu erkennen,
welche Worte wichtig für mich sind und
welche aus gutem Grund Schall und Rauch sind.
Schenke mir auch immer wieder Menschen,
die gute Worte an mich richten.
Amen.

Vor einiger Zeit habe ich folgenden Post gelesen:

Verrückt, oder? Wir alle haben das wahrscheinlich schon mal gehört: “Verrückt”, im Sinne von “unfassbar” oder “unglaublich”. Es ist verrückt, mitten in der Nacht die beste Freundin vor der Tür steht, völlig durchnässt, nur weil man nicht alleine sein wollte. Oder wenn alles schief läuft und der Freund von Laden zu Laden fährt, um das geliebte Abendessen doch irgendwie auf den Tisch zu zaubern. Oder eben, wenn jemand acht Stunden fährt, nur um Weihnachten bei jemand anderem zu sein.

Verrückt hat oft einen negativen Beigeschmack. Menschen, die “verrückt” genannt werden, sind nicht ganz bei sich oder durcheinander. “Verrückt” kann aber eben genau so gut sein. Verrückte Aktionen sind irgendwie gegen die Norm oder die Erwartungen, aber irgendwie auch cool. Sie sind unfassbar, weil man nicht mit ihnen gerechnet hat.
Und es sind eben auch genau diese Aktionen, die in Erinnerungen bleiben und eine gute Geschichte ergeben. Sie fangen später mit Sätzen an wie “Weißt du noch damals, als wir…” oder “Oh man, war das verrückt als du…”, werden von einem Lachen begleitet und machen Spaß, erzählt zu werden.

Dieses Jahr war auch ein verrücktes Jahr – im Guten wie im Schlechten. Aber auf jeden Fall bleiben auch die Geschichten von verrückten Aktionen zurück. Fotos davon, wie Familien vor dem Esszimmer der Eltern Tische und Bänke aufgebaut haben, um gemeinsam zu essen. Oder Videos, in denen Menschen, die in Quarantäne waren, Kleinigkeiten mit Hilfe eines langen Stabes in den dritten Stock gereicht wurden. Familienfeiern, die plötzlich als Videokonferenz stattfanden und zu denen jeder vorher etwas zugeschickt bekam. Oder eben auch die Geschichten, in denen Familien stundenlang fahren, nur um dann kurz vor dem Fenster der Lieben zu stehen und sich einmal – den Umständen entsprechend – persönlich sehen zu können. Unglaublich, oder?

Ich habe in meinem Handy einen Ordner, der den Namen “verrücktes 2020” trägt, in dem Bilder von all diesen Aktionen sind. Aktionen, die nur ein so verrücktes Jahr mit sich bringen kann. Und ich freue mich darauf, in einigen Jahren diese Fotos anzusehen und mich über all diese unglaublichen und unfassbaren Aktionen zu freuen und die Geschichte anzufangen mit “Oh man, war das verrückt als du…”.

Wenn man mal genauer hinsieht, ist eigentlich die Weihnachtsgeschichte genau so verrückt, oder? Die schwangere Maria zieht mit ihrem Mann Joseph, der nicht der Vater des Kindes ist, in seine Heimat, um dort in einem Stall das Kind zu bekommen, das der Retter der Menschheit sein soll. Und dann kommen auch noch Hirten zu Besuch und drei Weise, die den weiten Weg aus dem Morgenland auf sich nehmen, um das frisch geborene Kind zu sehen und ihm Dinge zu schenken, mit dem es gar nichts anfangen kann. Verrückt, oder?
Aber eben deshalb, weil sie so unglaublich ist. Und eine Geschichte, die wir uns auch noch tausende Jahre später erzählen.

“Oh man, weißt du noch damals, als Maria…verrückt.”

Herr,
manche Dinge sind für uns unfassbar,
lassen den Moment dadurch
aber auch erinnerungswürdig werden.
Bestärke uns darin, 
verrückt zu denken sein 
und außerhalb des bekannten Rahmen zu denken.
Segne alle Menschen,
die sich in diesem verrückten Jahr
zum Weihnachtsfest unglaubliche Dinge einfallen lassen,
um gemeinsam, aber sicher, mit ihren Lieben zu feiern.
Amen.

Wir hoffen, du hattest ein schönes, wenn eben vielleicht auch etwas verrücktes Weihnachtsfest und kommst gut und gesund ins neue Jahr!

Wie crazy ist dein Weihnachten immer?

Also mal ehrlich, gibt es eine verrücktere Zeit im Jahr als die Vorweihnachtszeit? Wenn alle Menschen anfangen, nach dem teuersten und größten Geschenk zu suchen? Das Preislimit steigt dabei von Jahr zu Jahr und das Ganze gleicht nur noch einem Battle ums teuerste Geschenk.

Oder wenn Häuser in einem Meer aus Lichterketten, Schneemännern, Rentieren und Engelchen versinken, bis es zum kompletten Stromausfall in der Stadt kommt. Geht es dabei nur noch um Glitzer, Glitzer und noch mehr Glitzer? Wer hat die verrückteste und ausgefallenste Weihnachtsdekoration in der Straße?

Kurz vor den Festtagen stellt sich dann die alles entscheidende Frage „Was gibt es zu Essen?“. Wie viele Plätzchen muss ich nachts noch backen und woher bekomme ich die größte Tanne?

Wie schaffe ich die perfekte Weihnachtsstimmung zu Hause, muss ich dafür „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ in der Dauerschleife gucken oder reicht es, wenn ich „Last Christmas“ zum 100. Mal höre?

Nicht nur für uns ist das manchmal ein ganz schöner Stress. Überleg mal, welchen Stress Joseph und Maria gehabt haben müssen? Hochschwanger auf einem Esel durchs Land reisen und kurz vor der Geburt kein Zimmer zu bekommen. Dann auch noch in einem Stall das Kind zu gebären und dabei von neugierigen Blicken eines Ochsen und eines Esels zu stehen. Nach dem ganzen Schock kommen dann auch noch ganz viele fremde Menschen zu Besuch. Einige von denen bringen sogar teure Geschenke mit und damit wurde alljährliche Weihnachtstradition geschaffen.

Welche Traditionen pflegst du an Weihnachten? Hast du vielleicht einen verrückten Weihnachtspulli? Verschenkst du gerne Scherzgeschenke oder schaust du dir vielleicht Trashfilme an? Was macht Weihnachten für dich besonders?

Genau das, was wir so besonders und verrückt finden, macht es doch gleichzeitig auch so schön. Denn am Ende zählt doch, dass wir Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden verbringen können. Der ganze Stress ist dabei vergessen, wenn wir lachen, erzählen und lecker essen können. Denn so werden unvergessliche und spaßige Erinnerungen geschaffen, die noch lange in unseren Köpfen und Herzen bleiben.

Herr, schenk mir Ruhe und Gelassenheit
Lass mich vom Weihnachtsstress nicht verrückt machen.
Ich danke dir für diese besondere Zeit im Jahr,
die ich mit tollen Traditionen füllen darf.
Schenke uns und unseren Lieben und Liebsten eine gesegnete und natürlich verrückte Weihnachtszeit.
Amen.

 

 

 

 

Der Wind bläst mir heftig ins Gesicht. So heftig, dass ich Schwierigkeiten habe, die Augen offen zu halten und zu atmen.
Drei Meter weiter ist der Spuk vorbei. Nicht, weil es aufgehört hat zu stürmen, sondern weil ich um die Ecke gegangen bin und nun geschützt hinter einer Häuserwand stehe.

Zuhause fällt mir auf, dass es mir in letzter Zeit häufiger so gegangen ist. Ich hatte oft Gegenwind, bin in einem verbalen oder emotionalem Sturm gelandet.
Nicht immer ist es mir gelungen, nur drei Meter um die Ecke zu gehen und geschützt zu sein.

Und nicht umsonst gibt es beim Radrennen den „belgischen Kreisel“, wo jeder kurz an der Spitze fährt und sich dann zurückfallen lässt, damit der nächste als erster im Wind fährt.
Wer voran geht und im Wind steht, der braucht mehr Kraft als die, die ihm folgen.

In der letzten Monaten, während der Corona-Pandemie, war ich oft hin und her gerissen zwischen meinen Wünschen, Bedürfnissen, den Arbeitsansprüchen und den Erwartungen der privaten anderen Menschen. Es hat etwas gedauert, bis ich merkte, dass dieser Zustand mir nicht gut tut. Aber es war mir noch nicht klar, wie ich dieses Dilemma hinter mir lassen kann. Zumal ich mich ja auch wenig an anderen orientieren konnte, denn alle waren unsicher, hatten noch keine Erfahrungswerte und suchten selbst ihren Standpunkt.

 

Doch nach und nach habe ich meinen Standpunkt gefunden, mit dem es mir gut geht und ich bin bereit, mich in den Wind zu stellen und meinen Standpunkt und daraus folgende Entscheidungen anfragen zu lassen.
Ja, es gibt immer noch Kompromisse, die ich mache, aber nur so weit, wie ich es für mich gutheißen kann.
Es gibt Menschen, die mich abschätzig angucken, meine Vorsicht belächeln oder mich vielleicht sogar für dumm halten.
Allerdings ist mir das egal, denn in mir ist endlich kein Sturm mehr.
Und ich kann sogar lächeln, wenn einige dieser Menschen plötzlich den gleichen Standpunkt haben wie ich.

Wie muss es wohl für Maria gewesen sein, die zu ihrer Berufung als Mutter von Jesus gestanden hat? Oder Josef, dem sicherlich einige sagten: „Deine Frau verarscht dich doch, die will dir ein Kuckuckskind unterschieben?“
Ob sie ihren Standpunkt gefunden hatten und diesem Gegenwind gut trotzen konnten?
Oder haben sie geschwankt und sich im Stall in Bethlehem bei Jesus Geburt gefragt: „Was mache ich hier? Ich habe hier doch plötzlich eine Hauptrolle im falschen Film!“
Oder wussten sie, dass die Welt sich zwar weiter dreht, aber jetzt durch sie und Jesus doch in etwas anderen Bahnen – etwas verschoben –  etwas verrückt. (Lk, 2,1-17)

Auch wegen heute – Heiligabend – bläst mir der Wind ins Gesicht, wenn es darum geht, wie wir den Abend feiern. Ohne Mette – für einige undenkbar. Für mich nicht! Denn für mich ist es wie so oft in diesem Jahr – es muss eine kreative Lösung her – und die muss ja nicht unbedingt schlechter sein.

Herr,
manchmal stürmt es sehr
in der Welt
oder auch in mir.
Im Sturm stehend ist es dann kaum möglich seinen Standpunkt zu finden.
Da kann man nur froh sein,
wenn man auf den Beinen bleibt.
Schenke mir und dann einen Ort,
an dem ich geschützt bin und Ruhe finden kann.
Herr,
du hast uns deinen Sohn auf die Welt gesandt,
um die Welt zu retten.
Lass uns die Hoffnung nicht verlieren,
dass dieses Zeichen auch heute noch die Welt retten kann.
Amen.

Wir wünschen dir, dass du deinen Standpunkt gefunden hast oder zumindest auf dem Weg dahin bist, und dass du eine gute Möglichkeit für dich und möglicherweise deine Lieben gefunden hast, den Heiligen Abend zu feiern.

Frohe Weihnachten!

Momentan habe ich eine Menge zu tun. Arbeit im Home Office, Planung und Erstellung der ganzen Weihnachtsgeschenke, aufräumen, kochen, kreativ arbeiten und und und…

Dadurch starte ich jeden Morgen mit dem Gefühl, dass ich immer alle To-Do-Listen im Blick haben Prioritäten setzen muss, da ich sonst mit den täglichen 24 Stunden gar nicht hinkomme. Das sorgt dann meist dafür, dass ich abends im Bett noch darüber nachdenke, ob ich alle wichtigen Dinge erledigt habe und ob die Prioritäten richtig gesetzt waren. Das macht das Abschalten furchtbar schwer. Hätte nicht doch noch irgendwas heute erledigt werden müssen?

Zeit ist dabei eine wertvolle Ressource, mit der wir auch sonst möglichst behutsam umgehen müssen. Da lohnt es sich nicht, auch noch ständig darüber nachzudenken, ob man die Zeit richtig nutzt.
Es gibt da diesen Spruch:
„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“

Obwohl ich ihn eigentlich ziemlich kitschig finde, ist er irgendwie auch passend. Und manchmal sollte man vielleicht auch danach leben – auch wenn das nicht immer geht. Ich neige dazu, zu viele verschiedene Träume zu haben – und dann muss man eben wieder Listen machen und Prioritäten setzen. Und wenn man mal ehrlich ist, ist es bei den meisten Dingen gar nicht wichtig, wann man sie macht. Einige muss man ehrlich gesagt auch gar nicht machen, wenn es gerade nicht passt. Viel wichtiger ist, abends mit sich, seinen Entscheidungen und seinem Tag zufrieden zu sein. Dann kann der Abwasch auch mal bis morgen warten 😉

Selbst die Jünger mussten irgendwann feststellen, dass sie nicht alle Aufgaben übernehmen konnten, da es zu viele Gläubige wurden. Sie haben dann Prioritäten gesetzt, die Aufgaben unter allen aufgeteilt, und konnten sich so dem Wesentlichen widmen (Apg 6, 1-7).

Guter Gott,
Manchmal ist die Liste viel zu voll.
Dann müssen wir Prioritäten setzen 
und um Hilfe bitten. 
Schick uns Menschen, die uns unterstützen
und gib uns die Kraft, die richtigen Dinge
zu priorisieren.
Amen.

Bei der Arbeit musste ich in der letzten Woche sehr viele Pakete annehmen und auspacken. Dabei kam mir diese Luftpolsterfolie in die Hand und ich hab mich sehr gefreut, weil ich die früher geliebt hab.

Erstmal habe ich eine Weile damit herumgespielt und versucht, möglichst viele Blasen zum Platzen zu bringen. Das hat echt richtig viel Spaß gemacht und hat tatsächlich auch ein bisschen von meinem Ärger und Stress, der sich in mir gestaut hatte, herausgelassen. Dadurch habe ich gemerkt, dass der ganze Stress, den glaube ich jede und jeder immer mal wieder hat, in irgendeiner Art und Weise raus muss. Egal ob durch eine halbe Stunde Tee trinken und ein gutes Buch lesen oder durch richtig ausgiebigen Sport; ob durch eine Runde spazieren gehen oder einfach mal ganz laut schreien, um dem Ärger Luft zu machen. Oder halt einfach ein paar Blasen von dieser lustigen Folie platzen lassen. Für mich war das ein Moment, in dem man die Sorgen und den Stress einfach mal vergessen konnte und man sich eben wann anders darum kümmert. Vielleicht sollte man deshalb mehr auf sich selbst hören und sich eine kurze (oder lange) Auszeit gönnen.

Auch in der Bibel steht: “Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,34)
Denn der Stress und der Ärger kommen vielleicht morgen oder in nächster Zeit wieder. Hier hab ich dazu ein sehr passendes Video von Bosse für Euch:

Meiner Meinung nach zeigt dieses Musikvideo einfach, wie sehr man doch im Moment leben sollte und wie wertvoll jede Minute ist, in der man einfach Spaß hat und tanzt. Also vielleicht bedeutet das einfach, dass man sich durch Auszeiten erholter und bestärkter in die neuen Herausforderungen schmeißen kann. Zusätzlich hatte man noch für den Moment einfach ein bisschen Spaß und Ruhe vom Stress – und das ist schon Gold wert.

Lieber Gott,
oft versinken wir in unserem Alltag in Stress und Ärger.
Hilf uns Ausgleich dazu zu finden und uns nette Momente zu schaffen.
Hilf uns Zeit zu finden, in der wir Ruhe und Kraft finden könne.
Amen.

Der November dümpelt gerade so vor sich hin ohne Plan und Kalender. Fast hätte ich dadurch vergessen diesen Blogeintrag zu schreiben.
Zwischen all den gleichen Abenden mit Stricken und Netflix, gibt es nur ab und zu mal spontane Lichtblicke.
Mal wird spontan ein digitaler Spieleabend mit Freunden oder Familie gestartet. Hier und da gibt es ein bisschen Sport, wenn die Beine vom ganzen Sitzen wieder nicht mehr stillhalten wollen. Und zwischendrin unterbricht ein digitales Vorbereitungstreffen den abendlichen Trott, der sich so eingestellt hat.
Seit Anfang November wurde das Leben ja wieder auf Hold gesetzt und alle warten und hoffen, dass bald wieder der Play-Button zurück in die Normalität gedrückt wird.

Irgendwie ist mir der Trott schon fast lieb geworden – man muss gefühlt nicht mehr so planen, an nicht mehr so vieles denken, was man sonst in seiner Freizeit erledigt und plant. Darüber vergesse ich aber hin und wieder doch mal in den Kalender zu schauen. Der ein oder andere Geburtstag ist mir dadurch leider schon durchgegangen, so sehr verlasse ich mich auf mein Gedächtnis den Kalender.

Ich frage mich, ob ich schon immer so vergesslich war oder ob mein Gehirn sich in den Ruhemodus versetzt und ich dadurch vergesse? Wahrscheinlich zweiteres, hoffe ich zumindest.

Vergessen an sich kann aber auch ganz heilsam sein. An wirklich schöne Ereignisse erinnere ich mich zumindest viel intensiver, als an negative. Und selbst negative Ereignisse erscheinen mir im Nachgang manchmal nicht mehr ganz so düster.

“Gedenke deines Erbarmens, HERR, und der Taten deiner Gnade; denn sie bestehen seit Ewigkeit! Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig!” (Psalm 25, 6-7)

An was werde ich mich aus diesem Jahr wohl erinnern, einem Jahr in dem so wenig und doch so viel passiert ist? An all den Frust den die immer wieder neuen Regeln gebracht haben? Oder an all die Online Escape Spiele, an all die Netflix-Together-Abende, die wir gemeinsam verbracht haben? Hab ich nicht gemerkt, wie nah man sich sein kann, obwohl man so weit weg ist?
Was davon wird uns wohl bleiben?

Gott,
was wird bleiben aus diesem Jahr des Verzichts und der Zurückhaltung?
Lass uns in Erinnerung behalten, was uns Freude bereitet hat, so wenig es auch gewesen sein mag.

Erhalte uns aber auch genau die Erinnerungen, die uns wissen lassen, wie wertvoll wir füreinander sind, wie schmerzlich wir einander vermissen und wie glücklich wir über das Wiedersehen sein werden.
Amen