Vor einigen Monaten habe ich an einem Bahnhof folgende Werbung gesehen:

 

Damals fand ich diese Gegenüberstellung einfach sehr amüsant und hielt sie für eine gute Werbestrategie der Deutschen Bahn. Jetzt, einige Monate und den Ausbruch einer Pandemie später, musste ich noch einmal an diese Werbung denken. Dieses Jahr ist wie kein anderes geprägt von Reisewarnungen, abgesagten Flugreisen und Urlauben in Deutschland. Vielleicht ist es da gar nicht so schlecht, die Sehenswürdigkeiten anderer Länder auch in Deutschland zu suchen.

Bei mir hat die aktuelle Situation auf jeden Fall zu einem Umdenken geführt. Auf meiner Reiseliste standen bisher die großen Weltstädte: Paris, New York, Sydney, Barcelona. Jetzt schleichen sich auch immer kleine, deutsche Städte dazwischen: Bamberg, Erfurt, Lüneburg, Heidelberg. Alle diese Städte bieten eine breite Auswahl an schönen Gebäuden, traumhaften Altstädten und anderen Sehenswürdigkeiten. Muss es also immer der lange Flug sein, um etwas Neues zu sehen? Manchmal reicht es, seine Perspektive zu ändern und sich auf das zu konzentrieren, was im nahem Umfeld zu finden ist.

Oft führt ja ein Ereignis zu einem Perspektivwechsel. Das ist wie mit dem Zöllner Zachäus in der Bibel (Lk 19, 1-10). Seine Begegnung mit Jesus führt nicht nur zu einem buchstäblichen Perspektivwechsel, bei dem er auf einen Baum klettert, sondern auch zu einem Umdenken bei ihm. Er wird sich bewusst, was er hat und was er damit alles erreichen kann.
Vielleicht ist das ja mit der aktuellen Zeit genau so.

Gott,
in der heutigen Zeit müssen wir manchmal umdenken.
Manchmal sehen wir nur die Niederschläge:
Absagen, Ausfälle, Probleme.
Hilf uns, eine neue Perspektive zu bekommen 
und schenke uns Weitsicht, damit wir
das Gute in unserer Nähe erkennen können.
Amen.

 

Ist dir schon mal aufgefallen, dass die gleiche Situation eine völlig neue Bedeutung bekommt, wenn der Grund für die Situation ein anderer ist?

Mir ist das schon vor Jahren in einer Situation aufgefallen.
Ich hatte mein Auto mit meinem Vater zur Inspektion gebracht und mein Vater fuhr mich wieder nach Hause. Nun saß ich in meiner Wohnung und konnte tun und lassen, was ich wollte. Dass mein Auto aber nicht vor der Tür stand wie sonst, nervte mich voll. Es gab mir das Gefühl, festzusitzen und ich fühlte mich in meiner Freiheit eingeschränkt.

Oder letztens wartete ich auf ein Paket. Ich war in meiner Wohnung und konnte tun und lassen, was ich wollte. Aber ich war mies drauf, weil ich auf das Paket wartete. In beiden Situationen hätte ich auch ohne den äußeren Anlass die Wohnung in der Zeit vermutlich nicht verlassen.

Und jetzt: Corona

Ich sitze in meiner Wohnung und neben der Arbeit im Homeoffice, kann ich tun und lassen, was ich will. Was ich in meinem Urlaub schätze und genieße, wird plötzlich an manchen Tagen zur Herausforderung. Ich darf zur Zeit nicht ins Kino, nicht in die Kirche, nur eingeschränkt shoppen, nicht zu Konzerten, nicht mit mehr als zwei Wohneinheiten essen gehen, etc.
Wenn ich mal ganz ehrlich bin: vieles davon täte ich eh nicht.

Die Dinge, die ich gerne täte – Menschen umarmen und ohne Mundschutz leben – würde ich zur Zeit auf jeden Fall sein lassen, um meine Lieben und mich eben zu schützen.

Dinge, die man freiwillig wählt, fallen einem viel leichter.
Maria setzte sich zu Jesus und seinen Jüngern und hörte gespannt den Erzählungen zu. Martha dagegen  stand in der Küche und schuftete, um alle mit Essen und Getränken zu versorgen. Als sie Jesus aufgebracht fragte, ob er Maria auffordern könne, ihr in der Küche zu helfen, tat Jesus dies nicht, sondern unterstütze Maria in ihrem freiwilligen Tun. (Lk 10, 38ff).
Die fehlende Freiwilligkeit bei Martha führt sogar dazu, dass sie neidisch auf ihre Schwester guckt.

 

Herr,
ich danke dir sehr für die Freiheit,
in der ich leben kann.
Selbst die Einschränkungen durch Corona
sind klein,
wenn man mal auf die gesamte Welt guckt.
Gib mir Geduld Dinge durchzuhalten und zu ertragen,
wenn ich sie mir nicht freiwillig ausgesucht habe.
Und vielleicht hilft es mir ja auch,
wenn ich Aspekte der Freiwilligkeit
in „angeordneten“ Situationen suche.
Amen.

 

 

 

Am Sonntag wurde ich beschenkt, beschenkt mit Worten. Worten, die zu Bildern wurden und eine Nähe formten, die gerade allzu häufig fehlt und die wir wohl auch noch eine Weile entbehren müssen – die Nähe der Umarmungen.

Ein Loblied auf die Umarmung sollte es werden und mit einem Mal waren alles wieder für mich greifbar, die Umarmungen, die Nähe, das Gefühl. Jede Einzelne charakteristisch und irgendwie einzigartig. Wie genau mir die Details von Umarmungen besonderer Menschen in Erinnerung sind und ich sie nachspüren kann, wurde mir erst in diesem Moment bewusst. Kleine Besonderheiten, wie beispielsweise meinen Bruder, meine Schwester oder meinen Freund in den Arm nehmen, aber auch das Gefühl und die Art, wie mich meine Oma immer umarmt hat und dabei so viel Freude ausstrahlte, all dies war plötzlich wieder da und greifbar.

Sicher ist es immer noch nicht das Gleiche, wie eine richtige körperliche Umarmung, aber eines habe ich gelernt – auch wenn wir unsere Lieben noch nicht wieder in den Arm nehmen dürfen oder nicht können, wenn wir in unseren Erinnerungen graben, finden wir möglicherweise ein Andenken, einen Hauch davon wieder, wie sie sind diese Umarmungen und können unseren Lieben zumindest in unserer Fantasie für einen Moment wieder ganz nah sein.

Denn auch Gottes Nähe ist für uns nicht immer greifbar, aber in manchen Momenten können wir ihn doch erspüren. Er gibt uns Halt und stützt uns in schweren Zeiten, körperlich greifbar ist das allerdings ebenso wenig, wie zurzeit Umarmungen. Auch Jesus war auf sein Gefühl angewiesen bewusst wahrzunehmen, dass Gott immer in ihm war, ihn immer begleitet. Seinen Jüngern gegenüber macht er dies kurz vor seinem Tod noch einmal deutlich: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist.“ (Joh 14).

 

Gott,

diese Zeit führt uns vor Augen, wie besonders Umarmungen sind.
Lass uns diese merkwürdige Zeit nutzen den Wert einer intensiven und wahrhaftigen Umarmung schätzen zu lernen.
Ermögliche uns in der Zeit dazwischen tief verborgene Erinnerungen an all die schönen und herzlichen Umarmungen, die wir schon erfahren haben, wieder hervorzuholen und sie nachzuspüren.
Lass uns mit Vorfreude auf den Moment hoffen, an dem wir uns wieder aus vollem Herzen in die Arme schließen dürfen.

Amen

Im Moment können wir es nur so probieren: Wenn dir jemand in der nächsten Zeit sagt „Fühl dich umarmt“, probiere doch einmal deine Erinnerungen an deine schönsten Umarmungen emporzuholen und dieses einzigartige Gefühl noch einmal nachspüren mit jedem einzelnen Detail. Vielleicht entdeckst auch du die feinen Unterschiede und es hilft dir diese merkwürdige Zeit etwas besser zu überbrücken.

Ein ganz großes Dankeschön für die wunderbare Inspiration gebührt an dieser Stelle Hanna Buiting – Schreiben ist Gold.

In den letzten Monaten im Home Office ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie viel Zeit meines Tages ich vor einem Bildschirm verbringe:
Wenn ich arbeite, sitze ich an meinem Schreibtisch vor dem Computer und klicke mich durch meine Aufgaben und für die Uni arbeite ich Folien durch und notiere mir die wichtigsten Dinge. Zwischendurch noch die Videokonferenzen mit den Kolleg*innen oder Professor*innen. Zwischendurch auf dem Klo noch kurz den Feed checken oder ein schnelles YouTube-Video schauen, um dann wieder zum größeren Bildschirm zurückzugehen. Ist der Arbeitstag vorbei, geht es vor den Fernseher, das Tablet oder das Smartphone. Im Prinzip tausche ich den Arbeits-Bildschirm nur mit dem Freizeit-Bildschirm.


Das ist ganz schön viel Bildschirmzeit jeden Tag. Dieser Gedanke sorgte dafür, dass ich den Isolationsalltag teilweise ganz schön vefluche. Gerne würde ich die Kolleg*innen wieder jeden Tag persönlich sehen oder im vollen Hörsaal sitzen. Mal wieder unter Leute kommen. Ich denke darüber nach, mich für einen Tag abzumelden und alle Bildschirme auszumachen.
Aber würde das helfen? Klar, ich käme zum Lesen, Basteln, Aufräumen und ähnlichem, wäre an diesem Tag aber auch ganz schön einsam.

Irgendwie sind diese ganzen Geräte ja schon von Vorteil. Ich kann mich mit der Familie zum Videochat verabreden und so auch die Tante in der Eifel und den Cousin in England sehen, ohne gleich das Auto anschmeißen oder ein Flugticket kaufen zu müssen. Wir können Montagsmaler oder Tabu spielen, gemeinsam einen Escape Room lösen oder einfach quatschen.
Ich kann zwischendurch Eindrücke meines Tages an Freund*innen senden, wodurch wir am Leben der anderen teilhaben können. Für Informationen muss ich nicht in die Bibliothek gehen (was in letzter Zeit ja auch schwierig sein konnte), sondern mich in die Untiefen des Internets stürzen und erhalte das gesuchte Wissen innerhalb weniger Momente. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind verbringe ich auch ohne eine Pandemie vor der Tür freiwillig ganz schön viel Zeit vor diesen Bildschirmen.

Ob Jesus auch Videokonferenzen meinte, als er sagte “Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.”? Wahrscheinlich schon. Man wird ja dann doch kreativ und kommt auf neue Ideen des Zusammenkommens. Und diese Chance lässt Jesus sich bestimmt nicht entgehen.

 

 

Guter Gott,
ich danke dir dafür,
dass ich so viele Möglichkeiten habe,
meine Lieben zu sehen.
Ich bitte dich,
schenke denen, die allein sind,
Gesellschaft und Trost
und sei ganz besonders bei ihnen.
Amen.

 

Für gewöhnlich ist in meinem Leben eine Menge los. Arbeiten, studieren, Freunde sehen, Sport machen, Kochen und zwischendurch zwischen den verschiedenen Stationen pendeln. Die Zeit in Bus, Zug und Bahn kann man dabei hervorragend nutzen, um zu lernen, noch schnell eine Mail zu schreiben, sich Rezepte herauszusuchen oder seine To-Do-Liste zu aktualisieren. Wenn ich dann zuhause ankomme, geht es schnell ins Bett und gut ist.
Versteh’ mich nicht falsch: Ich mag diese Art, seinen Tag zu gestalten. Sowohl meinem Gewissen als auch meiner Seele können diese Tage gut tun: Man schafft etwas weg, hält Kontakt zu Menschen, die wichtig sind und bleibt in Bewegung.

Schnitt zu heute. Ich sitze auf meiner Couch. Die Tage werden länger, meine Liste an To-Dos kürzer. Die Pendelzeit fällt weg und ich habe mehr Zeit zuhause.
Das ist im Prinzip etwas Gutes; Zeit zum Entspannen, zum Herunterfahren. Aber so einfach ist das nicht. Da ist diese Unruhe in mir. Ich bin so an dieses ganze Hin und Her gewöhnt, dass diese jetzige Entschleunigung bedrückend wirkend kann.

Also starte ich ein Experiment: Eine Stunde lang nichts tun. Ich stelle einen Timer und setze mich auf die Couch.

Minute 1: ‘Merkwürdig, hier einfach nur zu sitzen. Man könnte auch so vieles machen. Ach ne, nichts tun.’
Minute 2: ‘Da ist ein Blütenblatt heruntergefallen. Schnell aufheben…oder auch nicht, kann ich auch in einer Stunde machen.’
Minute 5: ‘Krass, bestimmt schon eine halbe Stunde vergangen.’
Minute 10: ‘Das Blütenblatt liegt da ja immer noch…’
Minute 12: ‘Reicht auch mit dem Experiment, oder? Ist ja schließlich auch noch genug zu tun. Wobei, jetzt müsste die Zeit ja eh gleich um sein, dann kann ich auch eben warten.’
Minute 13: ‘Was, nicht einmal eine Viertelstunde vorbei? Oh man…’

Nach und nach driften meine Gedanken immer mehr ab. Ich verstricke mich in Gedankenspielen, hypothetischen Fragen und Fantasien. Viele verschiedene Dinge ziehen vor meinem geistigen Auge vorbei.
Plötzlich reißt mich das Klingeln meines Timers aus meinen Gedanken. Die Stunde ist vorbei.
Ich reflektiere. Obwohl der Anfang sich ewig gezogen hat, war es nachher sehr angenehm. Und jetzt sitze ich hier mit einer ganz besonderen Art der Entspanntheit.

Ich kann jetzt zumindest ein bisschen nachvollziehen, wie gut nichts tun sich anfühlen kann. Und ehrlich gesagt muss das manchmal auch mal sein. Nicht umsonst hat Gott einen ganzen Tag nur dafür ausgewählt, ruhen zu können:
“Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.” (1.Mose 2,3)

Guter Gott,
du hast uns einen Tag gegeben,
um zu ruhen.
Hilf uns, diese Ruhe anzunehmen
und genießen zu können.
Schenke mir Gelassenheit,

meine Aufgaben ruhen zu lassen
und mich selbst zu finden.
Amen.

Früher habe ich gedacht, dass ein Tabu wirklich etwas ist, über das man nicht sprechen darf:
Sexualität, Geld, Familiengeheimnisse, etc. Dabei kann es auch sein, dass bestimmte soziale Gruppen ein Verbot als Tabu behandeln, damit eben nicht drüber gesprochen wird.

Dann habe ich gemerkt, dass ich manchmal auch über diese Themen mit anderen reden muss, um meine Gedanken/ meine Haltung zu überprüfen. Es tat mir gut, mit einem Freund über Geld zu reden. Er berät mich inzwischen bei meinen Finanzen und meine Haltung zum Geld hat sich etwas geändert.
Auch über Sexualität rede ich mit Herzensmenschen.
Bei Familiengeheimnissen wurde mir irgendwann klar, dass es natürlich Personen gibt, die ein Interesse daran haben, dass diese Geheimnisse in der Familie bleiben. Aber sind es meine Interessen?

Und irgendwann stellte ich fest, dass es viel mehr Tabus gibt als ich dachte.
Wer spricht schon über seine Angst vorm Zahnarzt, eine Fehlgeburt, Führerscheinentzug, Mobbing oder Blähungen?
Und auch in Zeiten von Corona ist es so. Wer redet schon über seine tiefen Ängste, über seine Sorgen, das Vermissen von echter Begegnung? Wer traut sich schon zu sagen: ich kann es nicht mehr hören, dass ich den Kopf nicht hängen lassen soll?

Alles Themen, die ein Licht auf einen werfen könnten, dass man nicht perfekt ist.
Aber was könnte dafür sprechen, dass man auch über diese Dinge redet?
Ich spreche mittlerweile mit Mitmenschen auch über diese Themen. Manchmal ist es auch ein bisschen wie mit Anlauf über eine Klippe springen.
Doch der Mut hat sich bisher immer gelohnt. Es waren tolle Gespräche. Man erfuhr, dass man mit seinem Problem nicht alleine ist und bestenfalls gab es Tipps und Tricks um mit dem eigenen Problem besser umzugehen oder Erfahrungswerte von anderen Betroffenen.

Genau das bewegt auch Menschen, Bücher über ihr Tabuthema zu schreiben. Sie offenbaren sich, sind mutig, machen sich angreifbar, mit dem Ziel, anderen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und dass es einen Weg aus dem Dilemma geben kann:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jesus hat viele Tabus gebrochen, in dem er Dinge tat, die man eigentlich nicht tut, z.B. Im Tempel randaliert, am Sabbat Menschen geheilt, als Kind den Eltern davon gerannt um im Tempel sein zu können. Vielleicht war sein größter Tabubruch aber der als er am Kreuz verzweifelt rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15, 33ff).

Denn wie kann Gottes Sohn den Weg seines Vaters anzweifeln?

Herr,
manchmal tut mir mein Schweigen gut,
aber eben nicht immer.
Schenke mir den Mut mein Schweigen zu brechen,
wenn es mir oder anderen hilft.
Lass mich immer wieder Menschen finden,
denen ich vertrauen kann
und die mein gebrochenes Schweigen zu schätzen wissen.
Steh mir hilfreich zur Seite, Gott!
Amen.

In den Coronazeiten wurde letztens in Essen darum gebeten, dass man bitte mit dem Entsorgen von Altkleidern und Lumpen etwas warten soll, weil die Entsorger nicht mehr hinterher kommen. Mmmh, da sind wohl viele in der Kontaktsperre auf die gleiche Idee gekommen. Ich auch!
Ich stand vor meinem Kleiderschrank und er brüllte mir quasi entgegen: „Sieh her – hier findest du, was gestern mal war und heute nicht mehr ist!“
So fand ich wirklich eine sehr alte Lieblingsbluse, die schon lange nicht mehr passt. Aber sie hat auch bei diesem Ausmisten „überlebt“. Auch wenn ich das letzte Mal erst vor einem Jahr ausgemistet habe, fand ich Einzelteile, die ich so unmodern finde, dass ich sie nicht mehr anziehen wollen würde. Also weg damit.
Für mich war es aber schon spannend zu erleben, dass der Kleiderschrank ein Zeitzeuge ist, der mir die schnelllebige Mode vor Augen hält, die definitiv nicht nachhaltig ist und aber auch mahnender Ankläger ist, wenn eine Klamotte mal wieder nicht passt.
Ich habe schon als Kind schlechte Laune bekommen, wenn meine Mutter mich durch Kaufhäuser trieb und ich immer wieder Dinge anprobieren musste, die nicht passten. An drei negative Highlights kann ich mich sogar noch erinnern, denn sie fanden Einzug in meinen Besitz:

  1. Eine braune Cordhose, die ich von Anfang an gehasst habe.
  2. Ein gelbes T-Shirt – ich sehe in Gelb einfach immer krank aus.
  3. Blaue Schuhe in einer Nr. zu groß – „da wächst du bestimmt bald rein“ – nein, bin ich nicht.

„Warum sorgt ihr euch um eure Kleidung?“, steht schon in der Bibel geschrieben. Denn wenn Gott doch schon die Lilie auf dem Feld so schön aussehen lässt, wie kein König gekleidet sein kann, wieso machen wir uns Sorgen um unsere Kleidung? Zumal die Lilie ja einfach nur auf dem Feld wächst und nicht arbeitet, wie viel mehr können wir dann erhoffen. (Mat 6, 28ff)

Deshalb habe ich mich entschieden, dass alles gehen muss, was mir kein gutes Gefühl gibt. Der blaue Sack ist gut gefüllt und steht hier noch. Aber sobald die Altkleidercontainer wieder leer sind, wird dieser Sack meine Wohnung verlassen.
Und solltest du jetzt glauben, dass mein Kleiderschrank nun übersichtlich und leer ist – weit gefehlt.

 

Liebender Gott,
oftmals habe ich in meinem Leben so viel mehr
als ich wirklich zum Leben brauche.
Hilf mir ein gutes Maß zu finden –
für mich und für meine Umwelt,
und vielleicht mal eher auf den ideologischen Wert zu achten,
als auf den Konsum und das schnelle Glücksgefühl.
Und für die,
die nicht so viel haben,
bitte ich, schenke ihnen alles,
was sie zum glücklichen Überleben brauchen.
Amen.

Neulich gehe ich bei mir im Treppenhaus die Treppen herauf, die Post in der Hand. In der zweiten Etage steht die dort wohnende ältere Dame vor ihrer Wohnungstür und schaut sich suchend um. Ich frage sie, ob ich ihr helfen kann.
„Wissen sie, junger Mann, seit einigen Wochen liegt auf einmal immer meine Post vor der Tür, obwohl ich sie gar nicht geholt habe. Und mein Müll, den ich immer schon vor die Tür stelle, um ihn später mit herunter zu nehmen, ist immer schon weg. Das ist ja auch echt toll, ich bin ja nicht mehr so gut zu Fuß. Ich frage mich nur, wer das immer macht.“
Sie erzählt mir, dass sie ihre Nachbarin in Verdacht hat und ihr deshalb immer Kleinigkeiten mitbringt. Darauf angesprochen hat sie sie aber noch nie.
Ich lächle sie an und gebe ihr langsam ihre Briefe, die ich neben meinen mit nach oben genommen habe. Sie nimmt sie entgegen und lacht mich überrascht an…

Manchmal erkennt man nicht, wer es eigentlich ist, der einem was Gutes tut. Aber solche guten Taten können anregend sein. So wie die Nachbarin der anderen eine Kleinigkeit mitbringt, weil man ihr eine Freude macht.
Mich erinnert dieser Gedanke an den Emmausgang. Die Jünger gehen mit Jesus und erzählen von ihm, ohne ihn zu erkennen. Als er sich später zu erkennen gibt, merken sie, was er auf dem Weg Gutes für sie getan hat und ziehen aus, um die Freude weiterzugeben (Lukas 24, 13-33).
So etwas findet man auch in diesem Video:

Wir können Dinge verändern und Freude, die uns widerfährt, weitergeben. Und das sollten wir auch tun!

Guter Gott,
hilf uns, die Freude, die uns widerfährt,
auch mit anderen zu teilen.
Schenke uns ein offenes Auge dafür,

zu erkennen, was wir Gutes
für unsere Nächsten tun können.

Amen.

Gezwungener Maßen bin ich momentan sehr viel zuhause.
Das ist echt angenehm, aber auch sehr ungewohnt. Normalerweise verbringe ich eher weniger Zeit in der Wohnung, und wenn, dann ist das eher praktische Zeit: Waschen, Kochen, Schlafen. Das muss ich zwar aktuell auch, aber dazwischen bleibt noch einiges an Zeit über. Und irgendwann ist alle Arbeit erledigt, alle Fenster sind geputzt, Bilder aufgehängt und der Kleiderschrank ausgemistet. 

Am Anfang wusste ich nicht, was ich mit der neuen Zeit tun sollte. Freunde kann ich nicht treffen und die meisten anderen Freizeitaktivitäten fallen weg. Die ersten Tage wurden ganz schön langweilig.
Mittlerweile habe ich zum Glück neue Rituale für mich gefunden:
Um 17 Uhr setze ich mich, klassisch englisch, auf die Couch, trinke Tee und schaue aus dem Fenster. Einfach so, ohne weitere Ablenkung. Dabei fallen mir auf einmal Dinge auf, die ich noch nie so wahrgenommen habe. Der Baum draußen vor dem Fenster ist ja gar nicht mehr kahl, sondern hat Blüten. Die sehen echt schön aus.


Und ich gehe mehr spazieren. Morgens nach dem Frühstück, quasi “zur Arbeit gehen”. Das hilft, um Arbeit und Freizeit trotz räumlicher Nähe zu trennen. 

Wenn aktuell auch vieles fehlt, was mein Leben sonst bereichert, schleichen sich jeden Tag neue Dinge hinzu. Ich habe zum ersten Mal länger mit meiner Nachbarin gesprochen, der ich bisher immer nur im Treppenhaus begegnet bin, konnte bei Spaziergängen die Welt rund um meine Wohnung erleben und kam endlich mal dazu, das Buch zu Ende zu lesen, das schon so lange auf meinem Nachttisch lag. 

So ist sie nun mal, die aktuelle Zeit. Manche Dinge sind nicht möglich, dafür kommt man zu anderen. Denn wie heißt es schon in der Bibel:

“Alles hat seine Zeit und jegliches Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.” (Prediger 3:1)

Guter Gott,
vieles ist anders in diesen Tagen.
Gib mir weiterhin die Kraft,
mit Veränderungen umzugehen
und selbst Veränderungen vorzunehmen.
Stärke mich in meinen neuen Ritualen
und hilf mir, sie durchzuhalten.
Amen.

Ich gehe schnellen Schrittes durch die Straßen. Bloß nicht zu nah an die entgegenkommenden Menschen heran kommen. Immer schön 2 Meter Abstand halten. Am besten blicke ich im Vorbeigehen auf den Boden, oder in eine andere Richtung. Es ist schon lange her, dass ich beim Spazierengehen angelächelt wurde. Auch im Supermarkt überkommt mich ein Gefühl der Unsicherheit. Darf man die Kassiererin überhaupt durch die Plexiglasscheibe anlächeln und noch einen schönen Tag wünschen? Momentan bin ich da total irritiert. Während des Bezahlvorgangs bin ich sehr konzentriert darauf, alles richtig zu machen. Abstand halten, Bargeldlos bezahlen, nichts unnötig anfassen… In dem ganzen Stress vergesse ich das Lächeln dann schon mal. Hinzukommt, dass das Tragen von Gesichtsmasken ein gegenseitiges Anlächeln eh unmöglich macht. Dabei ist es doch so: Wer lächelt, bekommt meist auch ein Lächeln zurück.

In schwierigen Zeiten, in denen es nicht so viel zu lachen gibt, ist es von großer Wichtigkeit, die Hoffnung nicht aufzugeben und auf Gott zu vertrauen. So wie in der Bibelgeschichte von Hiob. Hiob war ein reicher und sehr gottesfürchtiger Mensch, dem alles, was er hatte, genommen wurde. Dennoch hat er nicht aufgehört, auf Gott zu vertrauen, sodass ihm am Ende alles, was er verloren hatte, großzügig zurück geschenkt wurde. Dabei wurde Hiob in der schwierigen Zeit auch Mut und das Vertrauen in Gott zu gesprochen: „Mit Lachen wird er deinen Mund noch füllen, deine Lippen mit Jubel.“ (Hiob 8, 21)

Das Video zeigt, wie schön es sein kann, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Dadurch bekommt man meist auch selbst eine positive Energie geschenkt. Wie wäre es also nun mit einer Wasserpistolenschlacht oder einem leckeren Eis in der Sonne.

Oder du verschenkst so ein Lächeln:

Guter Gott,
Gib mir die Kraft, die Herausforderungen der aktuellen Situation zu meistern.
Stehe mir bei und unterstütze mich dabei, anderen Menschen eine Freude zu bereiten.
Schenke uns allein ein Lächeln in unsere Gesichter.
Amen.