Abschied und Anfang – beide Wort beginnen mit dem gleichen Buchstaben und stehen sich in ihrer Bedeutung doch so sehr gegenüber. Aber ohne sich zu verabschieden und loszulassen, kann sich auch nichts Neues entfalten. Ohne Abschied kein neuer Beginn.

Beim Verlust eines geliebten Menschen fällt es nicht leicht, in einem Abschied auch einen Neuanfang zu sehen. In anderen Momenten hingegen ist ein Abschied besonders einfach. Eine unerfreuliche Schulzeit oder einen ätzenden Job lässt man gerne hinter sich, vor allem, wenn die Aussichten danach viel ansprechender zu sein scheinen.

Manchmal geht man aber auch mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Mir geht es so, wenn ich mich bewusst für einen Aufbruch entscheide. Die Vorfreude auf das was kommt zieht mich meistens so in ihren Bann, dass ich fast vergesse, traurig zu sein. Andererseits übermannt mich dann im Gegenzug die Nostalgie und die Erinnerung an all die gemeinsamen Momente, die berührenden Begegnungen und die liebgewonnen Wegbegleiter, sodass es mir für einen Moment doch schwer fällt, den Schritt zu gehen. Meist ist die Zeit aber genau richtig und so hoffe ich wird es auch in Zukunft sein – beim Umzug in eine neue Wohnung, beim Beginn eines Studiums, beim Abschied von cross#roads und bei allem, was die Zukunft noch mit sich bringen mag.

Eins hat mich bei allen Neuanfängen immer begleitet, der vielleicht auch dem ein oder anderen nicht unbekannt ist, ein innerlicher Funke, der mich antreibt auch die nächste Herausforderung anzugehen – Begeisterung (und ein Hauch Zuversicht).
Vielleicht weiß ich jedoch auch innerlich, dass Gott mich immer begleitet und mich zuversichtlich stimmt: „Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.“ (Josua 1,9)

 

Gott,
gerade zu Beginn eines neuen Jahres finden wir uns in einer Phase zwischen Abschied und Neuanfang. Lass uns aus diesem Umbruch Kraft und Motivation schöpfen mit Zuversicht auf das was kommt zuzugehen. Entzünde in uns Funken der Begeisterung für neue Pläne, so klein und ungewiss sie auch sein mögen, des Mutes für Schritte, die wir lange Zeit nicht wagten zu gehen und Vertrauen, dass das vor uns liegende Jahr ein besseres wird. Sei in diesem Jahr immer an unserer Seite!
Amen

Was ist der richtige Weg?
Wo ist mein Ziel?
Den richtigen Weg zu finden und das Ziel zu sehen ist wichtig: für Orientierung, für Sinn, für Hoffnung.

Diese Fragen sind bei einigen bereits schon gekommen. Manche haben schon Antworten auf diese Fragen, andere haben noch keine.

Ich habe mir in letzter Zeit auch diese Fragen gestellt und festgestellt, dass ich sie nicht beantworten kann.

Ich kann mir kleine Ziele setzen und diese sehen und erreichen, aber kein Ziel für mein Leben finden.

Ich kann nur meinen Weg gehen und weiter nach meinem Ziel suchen. Ich werde viele Weggabelungen sehen, an welchen ich mich entscheiden muss, welchen Weg ich gehen soll. Ich werde falsche Entscheidungen treffen und Umwege gehen. Doch sie müssen keine Fehler sein, sie können Bereicherung sein und ein Erfahrungsschatz werden.

Diese Wege sind wichtig, denn nur durch Ausprobieren kann man herausfinden welcher Weg für einen der Richtige ist. Für manche ist es ein Umweg, für Andere eine weitere Entscheidung, die zum Ziel führt.

Ich bin aktuell in meinem Bundesfreiwilligendienst hier bei cross#roads. Ich habe schon jetzt viele Wege ausprobiert. Viele von ihnen waren zwar Umwege oder Irrwege, haben mir aber gleichzeitig gezeigt, dass sie nicht die Wege sind, die ich gehen soll.

Ich weiß, noch nicht wie es weiter geht. Ich bin aktuell noch an einer Gabelung und Überlege welchen Weg ich gehen will. Ich weiß noch nicht welchen Weg ich nehmen soll oder welcher mich voraussichtlich zu meinem Ziel führt.

Im neuen Jahr gibt es immer viele neue Wege. Alle sehen neue Wege und überlegen welchen man nimmt. Diese Entscheidungen, sind mal schwer, mal leicht.

Genau wie der Sohn in der Geschichte vom verlorenen Sohn, der seinen ganzen Besitz genommen hat, seinen Vater verließ und sich auf den Weg gemacht hat, ist es wichtig nach vorn zu sehen und den eigenen Weg zu gehen. (Lk 15, 11– 32)

Gott unser Vater,
wir gehen unseren Weg und müssen immer wieder Entscheidungen treffen. Manche sind leicht, andere schwerer. Hilf uns bei allen Entscheidungen, die wir treffen und wenn wir einen Umweg gehen, nicht auf deinen Rat hören oder nicht mehr weiter wissen, sei du bei uns und gib uns Kraft unseren Weg mit dir zu beschreiten.
Amen

Passt!

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist für mich ein ganz besonderer Tag. In den letzten Jahren habe ich mich in der Vorweihnachtszeit immer irgendwie gestresst gefühlt und es fiel mir schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen. Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag stehen dann bei mir immer Feiern mit der Familie und mit Freunden an, es wird viel gegessen, gemeinsam gefeiert und über Gott und die Welt gesprochen. Zur Ruhe kommen fällt mir aber auch an diesen Tagen immer sehr schwer.

Umso schöner finde ich es nach den vielen Begegnungen und Gesprächen in den letzten Tagen und Wochen nun am zweiten Weihnachtsfeiertag den Tag in Ruhe für mich zu verbringen, auszuschlafen und vielleicht auch einfach den ganzen Tag mit einem Buch oder schönen Weihnachtsfilmen zuhause zu sitzen. Und dabei denke ich mir „Passt! So wie es ist, ist es genau richtig für mich.“

Zu Weihnachten richten wir unseren Blick oft darauf, wie wir anderen Menschen etwas Gutes tun können, wir zeigen Nächstenliebe, beschenken andere und vielleicht suchen wir sogar Kontakt zu Menschen, bei denen wir uns schon viel zu lange nicht mehr gemeldet haben. Ich glaube das ist alles super wichtig, aber dabei dürfen wir auch uns selbst nicht aus dem Blick verlieren und sollten uns selbst auch zu Weihnachten all das gönnen, was wir brauchen um das Fest für uns richtig zu genießen.

Im heutigen Tagesevangelium geht es um eine Situation aus Jesu Kindheit. Als Jesus zwölf Jahre alt war pilgerten Maria und Josef mit Jesus und weiteren Verwandten und Bekannten zum Paschafest nach Jerusalem. Nach dem Fest machte sich die Gruppe wieder auf dem Heimweg, wobei erst am Abend auffiel, dass Jesus fehlte. Nach langer Suche fanden sie ihn nach drei Tagen im Tempel, wo er im Gespräch mit Lehrern vertieft war. Sein Verständnis der Schriften überraschte die anderen Anwesenden, wobei Jesus selbst vielmehr darüber überrascht war, dass seine Verwandten ihn nicht direkt im Tempel gesucht haben. (Lk 2,41-49)

Für Jesus war schon als Kind klar, dass er dahin gehört, wo über Gott gesprochen und gelehrt wird. Für ihn genau der passende Ort und das was er in diesem Moment brauchte.

 

Gott,
du kennst unsere Bedürfnisse und weißt, was uns im Leben wichtig ist.
Sei bei uns, wenn wir anderen Menschen begegnen und uns für das was uns wichtig ist einsetzen.
Hilf uns dabei auf unsere eigenen Bedürfnisse zu achten und zu erkennen, wann wir selbst eine Auszeit brauchen.
Amen.

Geh!

Diese Aufforderung kennen wir alle bestimmt aus vielen Kontexten, aber gerade an Weihnachten denkt man vor allem an eine: Gehen, sich auf den Weg machen. Maria und Joseph, die sich auf den Weg machen, um ihr Zuhause zu verlassen und in die Heimat Josephs zu gehen. Auch sie erlebten die Aufforderung, “Geh!”, als Befehl von Kaiser Augustus, dem sie gehorchen mussten.

Auch wir sprechen manchmal diesen Befehl aus. Wir alle kennen “Geh!” sicherlich auch als Aufforderung an andere, wenn wir sie wegschicken, weil wir gerade Zeit für uns brauchen und alleine sein wollen. So unfreundlich es manchmal auch klingt, so notwendig haben wir es vielleicht auch gerade.
Ich denke dabei immer an meine Oma, die uns am 25. Dezember immer gerne zum Kaffee einlud, uns nach zwei Stunden aber auch wieder nach Hause schickte – einfach, weil sie alleine sein wollte.

Vielleicht brauchen wir diese Momente für uns auch, gerade in der Weihnachtszeit. Vielleicht müssen wir einfach mal raus, weg von allem. Und vielleicht sollten wir uns selbst dann sagen: “Geh!”

Schon in der Bibel heißt es:
“Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt” (Koh 11,9).
Und vielleicht liegen diese Wege manchmal abseits der Pfade, die wir eigentlich im Blick hatten. Vielleicht müssen wir einfach mal spontan handeln, um eine Veränderung zu erzwingen, die uns im Endeffekt aber gut tut. Auch wenn wir vielleicht andere Pläne hatten.

Josef und Maria hatten sicherlich auch Pläne. Aber Gott hatte andere Pläne. Deshalb mussten Josef und Maria mit Jesus andere Wege GEHen.
Auch wir haben manchmal Pläne und müssen sie dann umschmeißen, weil etwas unvorhergesehenes passiert – Umwege GEHen oder neue Wege GEHen.

Vielleicht ist es auch für uns an der Zeit, zu GEHen. Ob zur Familie, alleine auf die Couch, zum Spaziergang nach draußen oder sonst wo hin – wir wünschen dir alles Gute und Gottes Segen, wo immer du auch hingehst.

Guter Gott,
manchmal passen deine Pläne nicht zu unseren
und wir müssen umdenken und neue Wege gehen.
Wir vertrauen auf deine Wegführung
und folgen deinem Befehl.
Hilf uns, unsere richtigen Weg zu finden
und, auch über Umwege, an unserem Ziel anzukommen.
Amen.

AUFgepasst!!! Es ist schon wieder Heiligabend.

Auch in diesem Jahr ist die Zeit schnell vergangen und heute ist wieder einer der wichtigsten Tage im Jahr für mich: Heiligabend.
Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine Zeit, in der ich mich häufig auf den Weg mache. Trotz der Kälte darf in dieser besonderen Zeit ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt nicht fehlen. Der Geruch von frischen gebrannten Mandeln gehört für mich einfach zur Adventszeit dazu, genauso wie ein ausgiebiger Shoppingtag, um alle Weihnachtsgeschenke für meine Liebsten zu besorgen. Wenn ich so über den Weihnachtsmarkt und durch die Läden schlendere, erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich andere Menschen bei ihren Erledigungen beobachte. Auch sie haben sich auf den Weg gemacht um Geschenke einzukaufen, zu bummeln, Glühwein zu trinken oder sich einfach mit Freunden zu treffen. Familien mit Kindern, ältere Paare, Freundescliquen, sie alle sind auf dem Weg.

Allerdings kann man sich in dieser Zeit auch anders auf den Weg machen. Mal wieder Menschen besuchen, die man lange nicht gesehen hat. Ein ausgiebiger Kaffeeklatsch bei meiner Oma mit selbstgebackenen Spekulatius und Vanillekipferln ist für mich auch ein absolutes Muss in der Vorweihnachtszeit. Dabei quatschen wir natürlich ausgiebig über das, was gerade so ansteht: Studium, Jobsuche, Freunde, Hobbys und die aktuellsten Koch- und Backtrends natürlich.

Sich auf den Weg machen, so wie es Maria und Josef getan haben.

Maria und Josef haben sich auf den Weg nach Bethlehem gemacht, da gerade eine Volkszählung durchgeführt wurde und Josef daher in seine Heimatstadt reisen musste. Bestimmt keine leichte Reise, da Maria hochschwanger auf einem Esel unterwegs war. Eine Art zu reisen, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Zumal dann noch die Problematik aufkam, dass die beiden kein Zimmer zur Übernachtung gefunden haben. Trotz all der Umstände hat Maria dann das Kind in einem Stall zur Welt gebracht. (Lk 2,1-20)

Machst du dich an Weihnachten vielleicht auch auf den Weg zu jemandem? Oder suchst du dir ein neues Hobby oder eine neue Leidenschaft? Vielleicht krempelst du auch gerade deinen Lebensstil um.
Es gibt so viele Möglichkeiten, sich auf den Weg zu machen. Auf welchem Wegabschnitt befindest du dich gerade? Und weißt du schon, wo es hingehen soll oder suchst du noch nach der Wegbeschilderung?

 

Guter Gott,
egal auf welchem Wegabschnitt wir uns gerade befinden,
du gibst uns Halt und Geborgenheit.
Dank dir können wir uns voll Zuversicht und Vertrauen auf den Weg machen.
Segne unseren Weg und alle Menschen,
die uns auf diesem Begegnen und Begleiten.
Amen.

#aufdemweg #markforster #mariaundjosef #aufgepasst #aufauf #betlehem

 

Weihnachten steht vor der Tür. Nicht mehr lange, dann ist es wieder so weit. Und wie jedes Jahr stellt sich wieder die berühmte Frage nach den Geschenken. Für wen muss alles ein Geschenk besorgt werden? Für die Familienmitglieder? Die Freund*innen? Nachbar*innen oder Arbeitskolleg*innen? Sieht man die Tante überhaupt in der Weihnachtszeit, oder muss etwas auch noch zeitig verschickt werden?
Viel wichtiger ist aber die Frage: Muss ich denn überhaupt etwas kaufen? Oder sollte es nicht vielmehr darum gehen, wem ich eine Freude bereiten möchte?

Viele kennen wahrscheinlich den berühmten Satz, der in Partnerschaften oder vielleicht auch im Freundeskreis fällt: 

„Wir schenken uns ja nichts.“

Um den vorweihnachtlichen Stress zu reduzieren einigt man sich darauf, sich gegenseitig kein Geschenk zu kaufen und so weniger besorgen zu müssen.

Leider kommt es nicht selten vor, dass man sich zwar darauf geeinigt hat, aber dann doch an Heiligabend mit den Worten „Wir schenken uns ja nichts, ABER…“ überrascht wird und doch ein Geschenk überreicht bekommt. Unangenehm. 

Vielleicht muss man diesen Satz auch einfach anders verstehen: 

„Wir schenken uns nichts“ könnte man auch einfach in „Wir kaufen uns nichts“ ändern. Das reduziert den Stress, in der Vorweihnachtszeit einkaufen gehen zu müssen, auch. Schenken kann man sich trotzdem etwas. Vielleicht schenkt man sich die Zeit, die sonst für den Geschenkekauf verwendet wird, einfach gegenseitig und verbringt sie zusammen. Oder man schenkt Aufmerksamkeit, achtet auf den anderen und hört zu. 

Eigentlich ist es mit Jesus genau so. Gott „schenkt“ uns seinen Sohn, um mit uns in Kontakt zu kommen, uns zu helfen und für uns da zu sein (Joh. 3, 16). Jesus bringt uns kein Geld oder tolle Geschenke mit, sondern sich selbst, ein offenes Ohr und die richtigen Worte.

Und vielleicht können wir das auch tun. Das Portemonnaie zu lassen, und dafür das Herz öffnen…

Guter Gott,
du hast uns deinen Sohn geschenkt,
als Zeichen deiner Liebe zu uns.
Hilf uns, auch unsere Liebe auszudrücken
und unseren geliebten Menschen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.
Amen.

Am Nachbartisch fragt die Oma leicht ratlos: „Aber was ist denn an St. Martin soooo toll, dass ihr euch da so drauf freut, wenn es nicht der Laternenumzug oder der Martinsbrezel ist?“
„Oma,“ antwortet die Enkelin genervt mit rollenden Augen, „dass ist der Tag, ab dem uns die Eltern wieder erlauben, Weihnachtsmusik zu hören!“
„… und ihr würdet am liebsten das ganze Jahr Weihnachtslieder hören?“, fragt Oma.
„Jaaa,“ antworten nun beide Mädels mit glänzenden Augen.

Ich sitze am Nachbartisch und kann es nicht fassen. Das ganze Jahr Weihnachtslieder – was ein Graus. Mir reicht schon das Gedudel in der Adventszeit in den Supermärkten und auf den Weihnachtsmärkten. „Last Chrismas“ läuft schon ab September im Radio.
Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass jemand die Lieder von ca. Januar bis September vermisst.
Aber mir würde ja schließlich auch keiner verbieten im Juli „Oh, du fröhliche“ zu singen 😉

Alles hat seine Zeit steht in der Bibel geschrieben. Sowohl die schönen Dinge des Lebens, wie die alltäglichen, wie die traurigen oder schweren Dinge des Lebens.
Vom Gebären und Sterben,
vom Pflanzen und Ernten,
vom Schweigen und Reden,
vom Lieben und Hassen,
von Krieg und Frieden,
vom Behalten und Wegschmeißen,
vom Lachen und Weinen,
vom Klagen und Tanzen
und einigem mehr ist die Rede.
(Koh, 3, 1-8)

Hat alles in deinem Leben Zeit?
Gibt es bei dir Dinge, die ihre bestimmte Zeit im Jahr haben?
Erwartest du eine bestimmte Zeit im Jahr sehnsüchtig?
Gibt es Dinge, wo deine Augen noch Mal so strahlen, wie Kinderaugen?

 

Liebender Gott,
in meinem Leben hat nicht alles immer seine Zeit.
Manchmal nutze ich die Zeit nicht gut.
Manchmal renne ich gestresst von einem Termin zum anderen.
Aber manchmal genieße ich auch glücklich den Moment.
Danke, dass du uns die Zeit mit all ihren Möglichkeiten geschenkt hast.
Und hilf mir mehr häufiger die Momente zu finden,
in denen alles seine Zeit hat.
Amen.

Bei uns in der Familie stehen gegen Ende des Jahres eine Menge Geburtstage an. Genug Möglichkeiten also, die ganze Verwandtschaft an der Kaffeetafel – oder dieses Jahr draußen am Lagerfeuer – zu treffen und Gespräche über angenehme und unangenehme Themen führen zu dürfen. Das ist auch dieses Jahr nicht anders.

Bei meiner Cousine steht der Schulabschluss bevor. Natürlich ein heißes Thema für die ganze Familie. Nach dem “Hallo” ging es dann auch schon schnell los:

“Weißt du schon, was du nach dem Abi machen willst?”
“Hast du dir schon einen Studiengang ausgesucht?”
“Du wirst doch bestimmt auch Lehrerin, die dein Cousin, oder?”

Diese und weitere Fragen prasselten auf sie ein. Während mir das so langsam unangenehm wurde, war meine Cousine allerdings ziemlich gelassen.

“Ich weiß, was ich machen will, ja. Ich werd’ Schreinerin.”

Stille.

Während ich anerkennend nickend zu ihr hinüber schaute, machte sich große Verwirrung in den Gesichtern der Verwandten breit.
“Schreinerin?”
“Aber du machst doch Abi, oder?”
“Sicher, dass Handwerk das Richtige für dich ist?”

Kurze Sille, dann ein kurzes “Ja.”, gefolgt von einem Themenwechsel. Damit war das Thema dann auch für sie beendet.

Jetzt, ein paar Wochen später, denke ich immer noch an dieses Gespräch zurück. Mich beeindruckt diese Sicherheit, die meine Cousine mit sich brachte und die Selbstverständlichkeit, nicht studieren zu müssen, obwohl man Abitur gemacht hat. Einfach, weil sie das nicht will, sondern etwas anderes im Sinn hat.

Natürlich wanderten meine Gedanken irgendwann auch zu dem wohl bekanntesten Handwerker, den wir bis heute dafür schätzen, für seine Ideale einzustehen und sie zu predigen: Jesus.

Auch bei ihm waren die Menschen verwundert, als er seine Weisheiten in der Synagoge predigte. War er nicht nur ein einfacher Zimmermann? Wie konnte er so predigen? (Mk 6,1-3).
Bei Jesus kamen beide Dinge zusammen. Er vollbrachte seine Wunder sowohl mit Worten, als auch mit seinen Händen.

Also warum nicht ins Handwerk gehen und von dort aus die Welt verändern?

Guter Gott,
manchmal werden Erwartungen an uns herangetragen,
die wir nicht erfüllen wollen.
Bestärke uns in unseren Ansichten und hilf uns, 
dafür einzustehen und auf unsere Art
die Welt zu verändern.
Amen.

Die „Entschuldigung“ einer Influencerin vor einigen Tagen über ihre zweimonatige Instagram-Abstinenz hat mich zum Nachdenken angeregt und mir vor Augen geführt, wie „abhängig“ ich mich von Social Media mache. Die kleinste Atempause wird direkt damit gefüllt und überbrückt.

Wenn ich darauf warte, dass mein Teewasser kocht oder darauf warte, dass meine Begleitung ins Auto steigt, wenn ich darauf warte, dass die U-Bahn einfährt, immer ist mein Handy griffbereit. Instagram, Facebook, die E-Mails, WhatsApp und was es da noch so gibt, warten nur darauf mich in den wenigen Minuten abzulenken, in denen ich gerade nichts zu tun habe.

Wie häufig wird aus den paar Minuten Ablenkung eine ganze Bahnfahrt, in der ich immer wieder den Instagram-Feed aktualisiere oder WhatsApp gefühlt 20mal öffne? Und das, obwohl ich nicht einmal Benachrichtigungen erhalten habe. Aus zwei Minuten werden so schnell zehn Minuten, 20 Minuten oder auch 30 Minuten … und auf einmal finde ich mich beim Durchstöbern irgendeiner Seite mit veganen Rezepten wieder, „die ja mal ausprobieren könnte“. Ganz ehrlich – bislang habe ich noch nicht ein Rezept nachgekocht.

Die Apps halten mich aber so in ihrem Bann, dass ich automatisch zum Handy greife. Manchmal sogar dann, wenn ich gerade eigentlich mit etwas anderem beschäftigt bin und mich darauf konzentrieren sollte.

Auf diesem Weg bekomme ich auch etwas von meinen Freunden mit und versuche mich auf dem neusten Stand zu halten, was Nachrichten angeht. Zumindest denke ich das. Eigentlich merke ich aber immer wieder, dass das auch nur eine Illusion ist. Wenn ich mich mit Freunden treffen, ist doch so viel mehr passiert, als Instagram, Facebook und WhatsApp mir je vermitteln könnten. Meist sind wir uns einig, dass wir all die Zeit, die wir auf Social-Media-Kanälen verbringen eigentlich besser nutzen könnten. Besser nutzen, indem wir wieder aufmerksamer durchs Leben gehen und einfach mal jede Minute Wartezeit aushalten, statt sie automatisch ausfüllen zu müssen.

Auch Jesus hat sich manchmal zurückgezogen und Momente gesucht, in denen er einmal innehalten und die ganze Welt um ihn herum für kurze Zeit ausblenden konnte. Nachdem er beispielweise aus fünf Broten und zwei Fischen ein Mahl für Fünftausende bereitet hatte „Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“ (Joh 6, 15)

Ich probiere mal aus, aus dem Bann auszubrechen. Ohne Instagram und Facebook die Wartezeiten auszuhalten und diese Momente zu genießen. Deinstalliert sind sie schon. Mal sehen, ob das nun wieder mehr Zeit zum Kreativ sein, zum hilfsbereit sein, zum Bücherlesen, zum Nachdenken, zum Freunde treffen und zum Ich sein mit sich bringt.

Gott,
wir haben so unendliche viele Möglichkeiten,
jede Minute unseres Tages mit einer medialen Informationsflut auszufüllen.
Schenke uns Momente,
in denen wir ganz bewusst aufblicken und uns davon für einen Augenblick lösen.
Momente, in denen wir wieder ein Lächeln für den Menschen neben uns übrighaben,
statt nur unseren Bildschirm anzulächeln.
Momente, in denen wir es einfach aushalten mal nicht von allen Seiten berieselt zu werden.
Amen

Wann hast du das letzte Mal genixt?
„Nixen ist Chillen ohne Handy.“, sagte der Neurowissenschaftler Volker Busch in einer Talkshow im TV. Laut ihm brauchen wir das Nixen, damit unsere Gehirnbahnen nicht verkleben. Wir müssen täglich so viel verarbeiten, da muss das Gehirn auch mal Leerlauf habe dürfen, um dann Dinge weiter verarbeiten zu können.
Also wann hast du das letzte Mal Zeit verbracht ohne

  • Musik zu hören
  • Tv zu gucken
  • Auto zu fahren oder irgendwie von A nach B zu kommen
  • Mit anderen zu quatschen
  • auf dem Handy zu daddeln
  • zu wandern/ zu joggen
  • etc ?

Frühere Generationen hätten vielleicht nach Langeweile gefragt und im Zeitalter von Achtsamkeit würde man vielleicht nach „Zeit für dich“ fragen.
Ich hatte in den letzten Monaten zweimal je eine Stunde lang im Rahmen von Veranstaltungen die Gelegenheit zu Nixen. Überrascht stellte ich fest, dass ich das ganz gut kann 😉

Dabei hat Langweile und Langsamkeit in unserer Gesellschaft heute einen schlechten Ruf. Erfolgreiche Menschen sind schnell, effektiv und busy.
Ob ich nach der einstündigen Ruhe im Anschluss produktiver oder erfolgreicher war – ich weiß es nicht. Aber geschadet hat es mir auf keinen Fall.

In der Bibel gingen die Gelehrten davon aus, dass nur wer ohne Arbeit ist, sich der Weisheit widmen kann (Sir 38,24). Also nur wer privilegiert war und nicht arbeiten musste, konnte sich die Zeit zum Denken nehmen. Andererseits ging man davon aus, wenn man mit irgendetwas beschäftigt war, kann man nicht auch noch denken.
Aber manch eine(r) von uns hat sicherlich schon gute Ideen beim Staubsaugen oder Spülen gehabt. Die Aufgabe darf eben nur nicht zu anspruchsvoll sein😉.

Guter Gott,
wie gut, dass wir heute im Normalfall nicht mehr privilegiert sein müssen,
um uns Zeit zum Denken zu gönnen.
Wir sind oftmals im Datenrausch.
Gib uns den Impuls diesen Mal auszuschalten,
um uns Ruhe zu gönnen,
zu hören, was sonst wichtig ist
und unser Gehirn frei pusten zu lassen.
Amen.