Vor einiger Zeit war ich mal wieder zu Besuch bei meinen Großeltern.

Da Oma nicht mehr gut zu Fuß ist, sich aber die Getränke sich im Keller befinden, bat sie mich, nach unten zu gehen und einige Flaschen nach oben in die Wohnung zu holen. Kein Problem, Schuhe an und ab in Richtung Keller. Als ich die Tür aufschließe, kommt mir ein Geruch entgegen. Man könnte ihn müffig oder alt nennen, aber für mich ist er in diesem Moment viel mehr als das. Bilder schießen in meinen Kopf:

Opa zeigt mir, wie man einen Hammer richtig benutzt, um Nägel in Brett zu schlagen.
Ich als Kind vor der Waschmaschine, wie ich der Trommel beim Drehen zuschaue.
Wasser schöpfen nach einem starken Regentag.

Für einen Moment lang bin ich wieder Kind und lerne die Welt neu kennen. Alles nur dank eines Geruchs.

Fynn Kliemann, selbsternannter Heimwerkerkönig, aber vor allem auch Musiker, fasst das in seinem Song “Regen” sehr gut zusammen:

Noch immer in der Luft, was ich fast vergessen hab’
Ich weiß gar nichts mehr aus meiner Kindheit, alles nur gehetzt […]
‘N paar Sachen, die ich nicht vergesse, bleiben immer jetzt […]
Der Duft brennt sich ein

Das alles hat auch etwas sehr Gutes. In den letzten Monaten, in denen ich die beiden nicht besuchen konnte, stand ich teilweise bei mir im Keller, habe den Geruch der Waschküche eingeatmet und die Bilder wieder hervorgerufen.

Diese Verknüpfung ist es vielleicht auch, die Jesus meint wenn er beim Brechen des Brotes sagt: “Tut dies zu meinem Gedächtnis!” (1 Kor 11,23–26). Wenn wir gemeinsam das Brot brechen, sollen wir an Jesus denken – so ich bei Kellergeruch an meine Großeltern denke.

Guter Gott,
danke, dass mich so einfache Dinge an so schöne Momente erinnern.
Gib, dass diese Erinnerungen für immer bleiben.
Hilf uns, neue Erinnerungen zu speichern,
damit sie und Kraft und Wärme geben können.
Amen.

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