Eigentlich sollte man meinen, dass ich mich mittlerweile langweilen müsste nach knapp einem Jahr überwiegend im Home Office. Dadurch, dass die täglichen Arbeitswege von insgesamt zwei Stunden, die An- und Abfahrten zu Treffen mit Freunden und Familie, den Ehrenamtstreffen und auch den Hobbies größtenteils durch digitale Verabredungen weggefallen sind, müsste ich doch eigentlich so viel mehr in meiner Freizeit schaffen. So viel mehr Baustellen zuhause abhaken können. Eigentlich dürfte es doch keinerlei Sachen in der Wohnung und in anderen Bereichen mehr geben, die noch nicht begonnen oder vielleicht sogar abgeschlossen wurden .

Irgendwie ist dem überhaupt nicht so. Im Gegenteil, wenn ich mich so umsehe, sind die Baustellen in der Zeit eher mehr geworden als weniger. Ich hab ja so viel Zeit und dann doch wieder nicht.
Kennst du das auch? Lasse ich mir für alles einfach mehr Zeit? Oder gehen einfach auch mal unbemerkt ein, zwei Stunden für Sachen drauf, die ich gerne mache und schiebe dafür das ungeliebte vor mir her, sodass es sich wie ein Berg aufhäuft. Ich hab ja noch so viel Zeit!

Es stört derzeit ja auch niemanden, dass Kartons im Wohnzimmer stehen, mit Kram, der noch bei meinen Eltern lagerte und mal aussortiert werde sollte. Es stört ja niemanden, dass die Geschenke für all die Babys im letzten halben Jahr halb angefangen in der Ecke liegen und nicht fertig werden. Es stört niemanden, dass ich die Fotos, die ich schon lange in ein Fotoalbum zusammenfügen wollte, immer noch nicht bearbeitet und ausgedruckt habe. Es stört ja niemanden, dass der Wäscheberg manchmal eine Woche (oder mehr) ungefaltet als Kleiderschrankersatz dient oder der Boden ein oder zwei Tage zu lang von Staub bedeckt bleibt. Es stört niemanden –  keinen Besuch und manchmal nicht einmal mich.

Und manchmal stört es mich aber doch. So sehr, dass ich mich frage, wie ich all das schaffen soll, was eigentlich zu erledigen ist. So sehr, dass ich gar nicht erst anfange, weil ich nicht weiß womit. Wo ist all die Zeit hin, in der ich, trotz zwei Stunden Arbeitsweg, trotz ganzer Abende beim Ehrenamt, trotz Chor und trotz gemeinsam verbrachter Zeit mit meiner Familie und Freunden, all diese liegen gebliebenen Dinge schaffe?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins. Manchmal gibt es die Momente, in denen ich die Motivation habe, all die kleinen Projekte anzugehen. Diese Momente wollen genutzt werden. Wenn ich das tue, dann läuft manches wie von selbst und ich merke, dass ich die 10 Minuten, die es zum Flur fegen braucht, auch jederzeit unterbringen könnte. Am Wochenende hatte ich mal wieder so einen Moment und dabei gemerkt, wie viel ich schaffe, wenn ich mir alles in kleine Häppchen aufteile und nicht den großen Berg an Aufgaben vor mir sehe. Indem ich Schritt für Schritt zum Ziel komme, schiebe ich es nicht so lang vor mir her. Bei der Arbeit und in Zeiten, in denen ich nicht so viel Freiraum habe, meine Zeit so locker einzuteilen, fällt mir genau das so viel leichter. Meine Zeit als rares Gut effizient zu nutzen, macht mich zufrieden. Vielleicht habe ich das nur vergessen in einer anderen Normalität, die eigentlich nur als Provisorium gedacht war. Vielleicht schaffe ich aber, mir das häufiger wieder vor Augen zu führen, mich daran zu erinnern, dass es mir gut tut, Punkte von der To Do-Liste abhaken zu können, auch wenn ich doch scheinbar noch so viel Zeit dafür habe.

Ich sollte einfach anfangen, den Schritt wagen!

Auch Gott hat einfach angefangen. Er hat die Erde nicht an einem Tag erschaffen, sondern Schritt für Schritt. Er schuf Himmel und Erde, das Licht, den Himmel, Land und Meer, Bäume und Pflanzen, Nacht und Tag und die Gestirne, die Tiere im Wasser, in der Luft und auf dem Boden und schließlich die Menschen – und bei jedem kleinen Schritt „sah [er], dass es gut war“ (Gen 1,1 -2,3)

 

Gott,

lass mich nicht unzufrieden sein, wenn ich mal einen Tag etwas vor mir herschiebe.
Schenke mir die Motivation, auch vor großen unüberschaubaren Aufgaben nicht zurückzuschrecken, um es dir gleichtun zu können.
Tag für Tag, Schritt für Schritt weiterzumachen und so zum Ziel zu gelangen.

Amen

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