Letzte Woche war ich, seit Ewigkeiten, mal wieder im Kino. Es war eine spontane Entscheidung: das Wetter war mies, meine Aufgaben soweit abgearbeitet und die Kinos gerade wieder geöffnet. Warum also nicht, dachte ich.

Bevor es losging, wurde ich etwas nervös. Ich freute mich auf den Film, war aber gleichzeitig etwas nervös. Ich wusste nicht genau, wie die aktuellen Regelungen waren, wie voll es sein würde und ob ich mich nicht unwohl fühlen würde. Diese Gedanken und Gefühle begleiteten mich bis in den Saal, aber ich hatte Glück: Bis auf ein Pärchen am anderen Ende des Saals war niemand dort. Also setzte ich mich hin und richtete mich mit Popcorn und Getränk in meinem Sessel ein. Kurz bevor es dunkel wurde, fiel mir plötzlich ein, dass ich mein Handy noch ausschalten musste – so lang war es her. Dann ging das Licht aus, der Ton schwoll an und das Bild erschien auf der Leinwand. Ich tauchte ein in den Film und vergas so langsam alles andere…

Als ich aus dem Kino kam, war mein Kopf frei, die Gedanken gelöst und ich gut gelaunt. Zwei Stunden lang musste ich an nichts denken, keine Nachrichten beantworten, mal eben aufstehen und doch das Rollo heruntermachen, pausieren, Lautstärke ändern oder irgendwas – ich konnte einfach genießen.

Erst da wurde mir wieder klar, wie wenig Zeit ich mir in den letzten Monaten für solche Dinge genommen habe. Musik oder Videos liefen beim Arbeiten, dank des Handys auch auf der Toilette oder beim Kochen, während des Serien- oder Filmeschauens googlete ich noch mal schnell etwas oder beantwortete eine Nachricht und selbst beim Spazierengehen oder Sport machen passierte noch irgendetwas nebenbei. Mich auf eine Sache zu konzentrieren, sich mal Zeit zu nehmen, sich komplett auf etwas einzulassen und nichts nebenbei zu erledigen – das gab es nicht wirklich.

Dabei tut das Ganze so gut. Der Film, den ich gesehen hatte, war auch kein Meisterwerk gewesen, aber es war bewusst genutzte Zeit, die mir Kraft gab. Und ganz ehrlich, googlen konnte ich danach immer noch…

All das bringt eine Lektion mit sich, die eigentlich selbstverständlich ist, aber vielleicht in der aktuellen Zeit helfen kann. Ich muss lernen, mir Zeit zu nehmen für solche Dinge. Das kann helfen, dass sich Tage nicht gleich anfühlen und die Zeit nicht einfach verstreicht, ohne dass etwas passiert. Dass ich Vorfreude entwickeln kann und Motivation, mein Tagesprogramm zu schaffen, weil ich dann die neue Folge meiner Lieblingsserie sehen oder etwas Leckeres essen kann.

Es ist eine oft zitierte Bibelstelle, aber sie passt auch in diesem Fall mal wieder:
“Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde” (Prediger 3)
Und deshalb werde ich jetzt erst mal in Ruhe mein Lieblingsessen zubereiten…

Guter Gott,
ich kann viele Dinge gleichzeitig machen.

Das ist in einigen Situationen sehr hilfreich,
nimmt besonderen Dingen aber oft auch ihren Wert.
Hilf mir, mich daran zu erinnern,
mir die Zeit für schöne Dinge zu nehmen
und mich mit Vorfreude zu erfüllen.
Amen.

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