Vor ein paar Wochen wurde die Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz intensiv durch die Medien begleitet, nun sind es die drastischen politischen Umbrüche in Afghanistan, die im absoluten Fokus stehen. Von den Folgen des Hochwassers wurden mir aus erster Hand einige Eindrücke erzählt, über die Lage in Afghanistan kann ich mich nur in den Medien informieren. Trotzdem fühlt sich die Berichterstattung über die Lage in Afghanistan für mich fast genauso nah an, wie die Berichte über die Überflutungen „nebenan“. Sie scheint überall zu sein.

So dramatisch die Lage im Nahen Osten sein mag und so nahe mir die Bilder gehen, so merkwürdig empfinde ich, dass mich so viele Details erreichen, während über andere wahrscheinlich ähnlich verheerende Ereignisse kaum etwas in meine Informationsblase dringt. Über die Überschwemmungen in China, die Waldbrände in der Türkei und Griechenland wurde noch etwas berichtet. Dass in anderen Ländern auch Bürgerkriegszustände herrschen oder auf Madagaskar etwa 72.000 Kinder (so viele Menschen wie in etwa in Gladbeck wohnen) lebensbedrohlichen Hunger leiden, weil dort die extremste Dürre seit mehr als 30 Jahren herrsche und buchstäblich keine Lebensmittel und kein Wasser mehr vorhanden seien, habe ich nur aus einer unerwarteten Informationsmail außer der Reihe einer Hilfsorganisation erfahren. Unter erschwerten Bedingungen werde versucht, Notrationen an Lebensmitteln dorthin zu transportieren, die für einen Monat halten sollen, mengenmäßig für unseren Lebensstandard allerdings gerade einmal für einen Tag ausreichen würden, so die Hilfsorganisation. Diese selektiven Berichte frustrieren mich.

Es frustriert mich, dass unser Fokus so sehr auf unsere eigenen Belange gerichtet ist, sodass uns nur das erreicht, was auf die ein oder andere Weise eine direkte Verbindung zu unserer „westlichen“ Welt hat. Mich berühren die Berichte aus Afghanistan durchaus und das, obwohl es so fern erscheint. Wäre darüber jedoch ebenso intensiv gesprochen worden, wenn wir nicht direkt involviert gewesen wären? Oder wäre es uns dann nur so wenig Aufmerksamkeit wert, wie die Hungersnot im Indischen Ozean? Sicherlich ist es nicht möglich über alle Geschehnisse auf der Welt zu berichten. Ich wäre damit auf alle Fälle überfordert.

So manches Mal wünschte ich mir aber eine ausgewogenere Verteilung. Meinem Empfinden nach wird in etwa so entschieden: „Ach Hungersnöte in afrikanischen Staaten, die sind ja eh an der Tagesordnung, darüber müssen wir nicht berichten. Die Ausmaße der Zerstörung der jährlich wiederkehrenden Hurricane-Saison insbesondere in den USA, das interessiert die Leute, damit können sie sich identifizieren.“ Und das, obwohl die Anzahl betroffener Menschen in den USA wahrscheinlich um ein Vielfaches geringer ist.

Wäre es nicht viel sinnvoller, uns alles zuzumuten, uns umfassend zu informieren, um so Aufmerksamkeit zu schaffen für all das was gerade in der Welt schiefläuft?

Wäre es nicht sinnvoller, statt immer nach einem Schuldigen zu suchen, nach Ursachen von Problemen und Lösungen für diese zu suchen?

Ich habe keine Antworten darauf.

Vielleicht hilft es aber, wenn wir uns aber alle wieder etwas mehr auf die Nächstenliebe besinnen. Darauf besinnen, dass wir alle zusammen auf dieser Welt leben, alle auf irgendeine Art mit ihr und miteinander verbunden sind und alle aus ihrer Erde durch Gottes Zutun geschaffen wurden.

„Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!“ (Gen 1, 24-26)

Gott,
anstatt den Fokus immer nur auf das zu richten, was uns selbst betrifft, öffne uns die Augen, um auch über unseren Horizont hinauszublicken.
Helfe uns zu sehen, dass wir alle mit der Welt und miteinander vernetzt und verwoben sind und es daher nur indem wir versuchen alle Herausforderungen anzugehen, gemeinsam weitergehen kann.
Gibt uns die Stärke, aufmerksam zu machen, anzupacken und Lösungen zu finden, um unsere Welt noch ein wenig länger unser Zuhause nennen zu können und dabei zwischenmenschliche Konflikte friedlich zu lösen.
Es liegt in unserer Hand.
Amen

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