Ist dir schon mal aufgefallen, dass die gleiche Situation eine völlig neue Bedeutung bekommt, wenn der Grund für die Situation ein anderer ist?

Mir ist das schon vor Jahren in einer Situation aufgefallen.
Ich hatte mein Auto mit meinem Vater zur Inspektion gebracht und mein Vater fuhr mich wieder nach Hause. Nun saß ich in meiner Wohnung und konnte tun und lassen, was ich wollte. Dass mein Auto aber nicht vor der Tür stand wie sonst, nervte mich voll. Es gab mir das Gefühl, festzusitzen und ich fühlte mich in meiner Freiheit eingeschränkt.

Oder letztens wartete ich auf ein Paket. Ich war in meiner Wohnung und konnte tun und lassen, was ich wollte. Aber ich war mies drauf, weil ich auf das Paket wartete. In beiden Situationen hätte ich auch ohne den äußeren Anlass die Wohnung in der Zeit vermutlich nicht verlassen.

Und jetzt: Corona

Ich sitze in meiner Wohnung und neben der Arbeit im Homeoffice, kann ich tun und lassen, was ich will. Was ich in meinem Urlaub schätze und genieße, wird plötzlich an manchen Tagen zur Herausforderung. Ich darf zur Zeit nicht ins Kino, nicht in die Kirche, nur eingeschränkt shoppen, nicht zu Konzerten, nicht mit mehr als zwei Wohneinheiten essen gehen, etc.
Wenn ich mal ganz ehrlich bin: vieles davon täte ich eh nicht.

Die Dinge, die ich gerne täte – Menschen umarmen und ohne Mundschutz leben – würde ich zur Zeit auf jeden Fall sein lassen, um meine Lieben und mich eben zu schützen.

Dinge, die man freiwillig wählt, fallen einem viel leichter.
Maria setzte sich zu Jesus und seinen Jüngern und hörte gespannt den Erzählungen zu. Martha dagegen  stand in der Küche und schuftete, um alle mit Essen und Getränken zu versorgen. Als sie Jesus aufgebracht fragte, ob er Maria auffordern könne, ihr in der Küche zu helfen, tat Jesus dies nicht, sondern unterstütze Maria in ihrem freiwilligen Tun. (Lk 10, 38ff).
Die fehlende Freiwilligkeit bei Martha führt sogar dazu, dass sie neidisch auf ihre Schwester guckt.

 

Herr,
ich danke dir sehr für die Freiheit,
in der ich leben kann.
Selbst die Einschränkungen durch Corona
sind klein,
wenn man mal auf die gesamte Welt guckt.
Gib mir Geduld Dinge durchzuhalten und zu ertragen,
wenn ich sie mir nicht freiwillig ausgesucht habe.
Und vielleicht hilft es mir ja auch,
wenn ich Aspekte der Freiwilligkeit
in „angeordneten“ Situationen suche.
Amen.

 

 

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.