Am Sonntag wurde ich beschenkt, beschenkt mit Worten. Worten, die zu Bildern wurden und eine Nähe formten, die gerade allzu häufig fehlt und die wir wohl auch noch eine Weile entbehren müssen – die Nähe der Umarmungen.

Ein Loblied auf die Umarmung sollte es werden und mit einem Mal waren alles wieder für mich greifbar, die Umarmungen, die Nähe, das Gefühl. Jede Einzelne charakteristisch und irgendwie einzigartig. Wie genau mir die Details von Umarmungen besonderer Menschen in Erinnerung sind und ich sie nachspüren kann, wurde mir erst in diesem Moment bewusst. Kleine Besonderheiten, wie beispielsweise meinen Bruder, meine Schwester oder meinen Freund in den Arm nehmen, aber auch das Gefühl und die Art, wie mich meine Oma immer umarmt hat und dabei so viel Freude ausstrahlte, all dies war plötzlich wieder da und greifbar.

Sicher ist es immer noch nicht das Gleiche, wie eine richtige körperliche Umarmung, aber eines habe ich gelernt – auch wenn wir unsere Lieben noch nicht wieder in den Arm nehmen dürfen oder nicht können, wenn wir in unseren Erinnerungen graben, finden wir möglicherweise ein Andenken, einen Hauch davon wieder, wie sie sind diese Umarmungen und können unseren Lieben zumindest in unserer Fantasie für einen Moment wieder ganz nah sein.

Denn auch Gottes Nähe ist für uns nicht immer greifbar, aber in manchen Momenten können wir ihn doch erspüren. Er gibt uns Halt und stützt uns in schweren Zeiten, körperlich greifbar ist das allerdings ebenso wenig, wie zurzeit Umarmungen. Auch Jesus war auf sein Gefühl angewiesen bewusst wahrzunehmen, dass Gott immer in ihm war, ihn immer begleitet. Seinen Jüngern gegenüber macht er dies kurz vor seinem Tod noch einmal deutlich: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist.“ (Joh 14).

 

Gott,

diese Zeit führt uns vor Augen, wie besonders Umarmungen sind.
Lass uns diese merkwürdige Zeit nutzen den Wert einer intensiven und wahrhaftigen Umarmung schätzen zu lernen.
Ermögliche uns in der Zeit dazwischen tief verborgene Erinnerungen an all die schönen und herzlichen Umarmungen, die wir schon erfahren haben, wieder hervorzuholen und sie nachzuspüren.
Lass uns mit Vorfreude auf den Moment hoffen, an dem wir uns wieder aus vollem Herzen in die Arme schließen dürfen.

Amen

Im Moment können wir es nur so probieren: Wenn dir jemand in der nächsten Zeit sagt „Fühl dich umarmt“, probiere doch einmal deine Erinnerungen an deine schönsten Umarmungen emporzuholen und dieses einzigartige Gefühl noch einmal nachspüren mit jedem einzelnen Detail. Vielleicht entdeckst auch du die feinen Unterschiede und es hilft dir diese merkwürdige Zeit etwas besser zu überbrücken.

Ein ganz großes Dankeschön für die wunderbare Inspiration gebührt an dieser Stelle Hanna Buiting – Schreiben ist Gold.
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