Als ich schon der dritten Person von der Doku „Leben ohne Erinnerung“ erzählte, merkte ich erst, wie sehr mich diese Doku beeindruckt hat.
Es ging um Daniel, der durch einen Unfall einen Gehirnschaden erlitten hatte und nicht mehr in der Lage ist, Dinge in seinem Langzeitgedächtnis zu speichern. Er erkennt nur noch Personen, die er vor dem Unfall kannte oder Personen, die er ständig um sich hat.
Seine Frau lernte er nach dem Unfall kennen und wurde dann auch Vater. Schon da beeindruckte mich die Frau sehr. Zumal sie sehr ergriffen erzählte, wie schwierig es ist, dass es mit ihrem Mann kein „weißt du noch…“ gibt.
Völlig geschockt hat mich dann der geschriebene Satz im Abspann erwischt:
„Kurz nach Fertigstellung des Films haben sich Katharina und Daniel getrennt.“

Erst durch die Doku ist mir bewusst geworden, wie oft gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen eine Beziehung zwischen Menschen festigt. Wie sehr gemeinsam durchschrittene Krisen das Vertrauen stärken und wie oft man sich  in einem ganz normalen Gespräch auf „weißt du noch…“ bezieht, manchmal sogar ohne Worte darum zu machen – weil man eben weiß, wie man sich immer begrüßt o.ä.

Letztendlich besteht unser Glaube eben genau daraus (besonders das neue Testament). Wir leben seit Jahrhunderten aus dem „weißt du noch…“, beziehen uns auf die Bibel und auf Rituale. Wir stellen fest, dass einige Menschen unsere Rituale und Symbole gar nicht mehr verstehen und sind manchmal selbst nicht in der Lage, die Dinge mit unseren eigenen Worten zu erklären bzw. wissen selbst gar nicht mehr um die Bedeutung. Wie soll dann daraus eine gute Gemeinschaft entstehen, wenn diese doch durch gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen entsteht?
Manch eine*r von uns weiß, wie lange die Erlebnisse aus Ferienfreizeiten einen tragen oder wie lange die gemeinsame Jugendarbeit auch noch über die Zeit hinaus verbindet.

Kennst du bei deinen Lieblingsmenschen die entscheidenden Momente des „weißt du noch…“, die euch bis heute tragen?
Haben sich die Momente damals schon als entscheidend zu erkennen gegeben oder kann man das erst aus der Rückschau erkennen?
Hast du schon mal bewusst in „weißt du noch…“-Momente investiert, in der Hoffnung, dass diese euch lange tragen?

Herr,
ich danke dir für meine Erinnerungen,
die mich mit meinen Lieblingsmenschen verbinden.
Schenke Menschen mit wenig guten Erinnerungen neue bedeutende Momente,
die für sie irgendwann ein Grund sich gerne zu erinnern.
Hilf all denen Menschen,
die keine Erinnerungen haben,
dass sie einen Weg für sich und ihre Lieblingsmenschen finden.
Amen.

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