Für gewöhnlich ist in meinem Leben eine Menge los. Arbeiten, studieren, Freunde sehen, Sport machen, Kochen und zwischendurch zwischen den verschiedenen Stationen pendeln. Die Zeit in Bus, Zug und Bahn kann man dabei hervorragend nutzen, um zu lernen, noch schnell eine Mail zu schreiben, sich Rezepte herauszusuchen oder seine To-Do-Liste zu aktualisieren. Wenn ich dann zuhause ankomme, geht es schnell ins Bett und gut ist.
Versteh’ mich nicht falsch: Ich mag diese Art, seinen Tag zu gestalten. Sowohl meinem Gewissen als auch meiner Seele können diese Tage gut tun: Man schafft etwas weg, hält Kontakt zu Menschen, die wichtig sind und bleibt in Bewegung.

Schnitt zu heute. Ich sitze auf meiner Couch. Die Tage werden länger, meine Liste an To-Dos kürzer. Die Pendelzeit fällt weg und ich habe mehr Zeit zuhause.
Das ist im Prinzip etwas Gutes; Zeit zum Entspannen, zum Herunterfahren. Aber so einfach ist das nicht. Da ist diese Unruhe in mir. Ich bin so an dieses ganze Hin und Her gewöhnt, dass diese jetzige Entschleunigung bedrückend wirkend kann.

Also starte ich ein Experiment: Eine Stunde lang nichts tun. Ich stelle einen Timer und setze mich auf die Couch.

Minute 1: ‘Merkwürdig, hier einfach nur zu sitzen. Man könnte auch so vieles machen. Ach ne, nichts tun.’
Minute 2: ‘Da ist ein Blütenblatt heruntergefallen. Schnell aufheben…oder auch nicht, kann ich auch in einer Stunde machen.’
Minute 5: ‘Krass, bestimmt schon eine halbe Stunde vergangen.’
Minute 10: ‘Das Blütenblatt liegt da ja immer noch…’
Minute 12: ‘Reicht auch mit dem Experiment, oder? Ist ja schließlich auch noch genug zu tun. Wobei, jetzt müsste die Zeit ja eh gleich um sein, dann kann ich auch eben warten.’
Minute 13: ‘Was, nicht einmal eine Viertelstunde vorbei? Oh man…’

Nach und nach driften meine Gedanken immer mehr ab. Ich verstricke mich in Gedankenspielen, hypothetischen Fragen und Fantasien. Viele verschiedene Dinge ziehen vor meinem geistigen Auge vorbei.
Plötzlich reißt mich das Klingeln meines Timers aus meinen Gedanken. Die Stunde ist vorbei.
Ich reflektiere. Obwohl der Anfang sich ewig gezogen hat, war es nachher sehr angenehm. Und jetzt sitze ich hier mit einer ganz besonderen Art der Entspanntheit.

Ich kann jetzt zumindest ein bisschen nachvollziehen, wie gut nichts tun sich anfühlen kann. Und ehrlich gesagt muss das manchmal auch mal sein. Nicht umsonst hat Gott einen ganzen Tag nur dafür ausgewählt, ruhen zu können:
“Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.” (1.Mose 2,3)

Guter Gott,
du hast uns einen Tag gegeben,
um zu ruhen.
Hilf uns, diese Ruhe anzunehmen
und genießen zu können.
Schenke mir Gelassenheit,

meine Aufgaben ruhen zu lassen
und mich selbst zu finden.
Amen.

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