Gezwungener Maßen bin ich momentan sehr viel zuhause.
Das ist echt angenehm, aber auch sehr ungewohnt. Normalerweise verbringe ich eher weniger Zeit in der Wohnung, und wenn, dann ist das eher praktische Zeit: Waschen, Kochen, Schlafen. Das muss ich zwar aktuell auch, aber dazwischen bleibt noch einiges an Zeit über. Und irgendwann ist alle Arbeit erledigt, alle Fenster sind geputzt, Bilder aufgehängt und der Kleiderschrank ausgemistet. 

Am Anfang wusste ich nicht, was ich mit der neuen Zeit tun sollte. Freunde kann ich nicht treffen und die meisten anderen Freizeitaktivitäten fallen weg. Die ersten Tage wurden ganz schön langweilig.
Mittlerweile habe ich zum Glück neue Rituale für mich gefunden:
Um 17 Uhr setze ich mich, klassisch englisch, auf die Couch, trinke Tee und schaue aus dem Fenster. Einfach so, ohne weitere Ablenkung. Dabei fallen mir auf einmal Dinge auf, die ich noch nie so wahrgenommen habe. Der Baum draußen vor dem Fenster ist ja gar nicht mehr kahl, sondern hat Blüten. Die sehen echt schön aus.


Und ich gehe mehr spazieren. Morgens nach dem Frühstück, quasi “zur Arbeit gehen”. Das hilft, um Arbeit und Freizeit trotz räumlicher Nähe zu trennen. 

Wenn aktuell auch vieles fehlt, was mein Leben sonst bereichert, schleichen sich jeden Tag neue Dinge hinzu. Ich habe zum ersten Mal länger mit meiner Nachbarin gesprochen, der ich bisher immer nur im Treppenhaus begegnet bin, konnte bei Spaziergängen die Welt rund um meine Wohnung erleben und kam endlich mal dazu, das Buch zu Ende zu lesen, das schon so lange auf meinem Nachttisch lag. 

So ist sie nun mal, die aktuelle Zeit. Manche Dinge sind nicht möglich, dafür kommt man zu anderen. Denn wie heißt es schon in der Bibel:

“Alles hat seine Zeit und jegliches Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.” (Prediger 3:1)

Guter Gott,
vieles ist anders in diesen Tagen.
Gib mir weiterhin die Kraft,
mit Veränderungen umzugehen
und selbst Veränderungen vorzunehmen.
Stärke mich in meinen neuen Ritualen
und hilf mir, sie durchzuhalten.
Amen.

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