Als ich letztens mit meiner Schwester essen war, ging sie irgendwann auf die Toilette.
Ich nahm mein Handy raus um die Zeit zu überbrücken. Allerdings war das Gespräch am Nachbartisch so viel interessanter und laut genug, dass ich nicht wirklich lauschen musste.

Dort saßen zwei junge Frauen und unterhielten sich über ihr Leben, wie viel sie zu tun hätten, was alles erledigt werden müsste und wie froh sie doch über die 90 Minuten Qualitätszeit sein könnten, die sie gerade hier zusammen verbracht hätten. Freudestrahlend nickten sie sich zu und versicherten sich, dass solche Qualitätszeiten sooo wichtig wären zwischen Studium, Nebenjob, Familie und Freund.

Und bevor meine Schwester zurückkam, schienen die 90 Minuten Qualitätszeit der beiden Frauen um zu sein, denn sie zahlten und verabschiedeten sich voneinander.

„Mmmh“, dachte ich, als meine Schwester mir gegenüber wieder Platz nahm und fragte sie: „Verbringen wir hier eigentlich gerade Qualitätszeit?“
„Hä, wieso?“ ,war ihre Reaktion, „wir wollten doch nur zusammen was Leckeres essen!“

Dann philosophierten wir, was denn wohl Qualitätszeit eigentlich ist. Die Sekunden ticken in ihr genauso wie in jeder anderen Zeit. Was ist mit den anderen Zeiten neben der Qualitätszeit? Ist das Zeit von der Resterampe und daher weniger wert? Kann man gemeinsame Zeit wirklich optimieren und damit qualitativ wertvoller machen?

Uns fiel auf, dass etliche vielbeschäftigte Eltern heute Qualitätszeit mit ihren Kindern verbringen. Unsere Mutter war nicht berufstätig und hatte viel Zeit für uns – mit echt viel Qualität!

Wir waren uns einig, dass es gut ist, wenn man möglichst viel gute Zeit in seinem Leben verbringt und es da nicht um Optimierung geht, sondern darum es sich möglichst oft gut gehen zu lassen und die Zeit zu genießen.

Noch nachdenklich wurde ich, als ich mich an die Bibelworte erinnerte, dass alles seine Stunde hat. Für alles – egal, wie gut oder schlecht – gibt es eine bestimmte Zeit (Koh 3, 1ff). Und bedeutet dies nicht, dass jede Zeit von Gott gewollt ist und damit auch ein berechtigter Teil unseres Lebens? Vielleicht ist Kummer letztendlich ja sogar genauso bedeutsam wie Glück?

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